Leit-Artikel Geneva World Radio DAB+
Der musikalische Schönling

Das World Radio DAB+ erfüllt das Klischee eines Schönlings: Hübsch anzusehen, aber nicht so schlau. Die technischen Möglichkeiten sind beschränkt, in unserem Test punktet das Gerät aber mit anderen Dingen.
  • 5

Weltempfänger sind aus der Mode gekommen. Wer hören will, was in der Ferne passiert, braucht heute nur noch einen Rechner mit passablem Internet-Anschluss – tausende Sender werden per Livestream übertragen. Trotzdem richtet der schweizerische Hifi-Hersteller Geneva eine Hommage an den Fernfunk früherer Zeiten: Sein neues WorldRadio DAB+ soll Alt und Neu verbinden, ein Weltempfänger 2.0 sein. Unser Test zeigt aber: Der Name verspricht mehr, als das Gerät hält.

Den ersten Wow-Effekt erzielt das World Radio schon, bevor ein Ton erklingt: Das Design ist schlicht und funktional – richtig schick sieht das silberfarbene Gehäuse aus (Geneva bietet das Gerät auch in rot und in schwarz an). Die Bedienung ist simpel: Am eleganten Rädchen links schaltet man das Radio ein und regelt die Lautstärke, am Rädchen rechts stellt man den Sender ein. Und auf dem druckempfindlichen Bildschirm in der Mitte wählt man die Quelle.

Die ausziehbare Antenne deutet an: Hier geht es nicht nur digital zu. Denn das Gerät spielt klassische UKW-Sender ab, die ich über das elegante Rädchen an der rechten Seite einstelle, ganz wie es früher üblich war. Einen Suchlauf gibt es aber ebenso wenig wie einen internen Speicher, so dass ich die Frequenzen meiner Lieblingsstationen auswendig können oder auf einem Zettel neben dem Gerät notiert haben muss. Das ist mir angesichts eines Preises von 350 Euro zu retro.

Beim Digitalradio DAB+, das der Schönling ebenfalls beherrscht, ist die Bedienung komfortabler: Nach einem Scan werden alle verfügbaren Stationen in alphabetischen Liste angezeigt. Die Auswahl in Nordrhein-Westfalen ist aber leider mäßig. Gerade mal 23 Programme gibt es derzeit, ein halbes Dutzend davon bekomme ich auch über UKW. Die Verbraucherzentrale NRW rät sogar davon ab, sich ein Digitalradio mit DAB+ anzuschaffen. In anderen Bundesländern ist der Ausbau allerdings schon weiter vorangeschritten, Berlin hat 33 Programme, Bayern 64.

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Der musikalische Schönling

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Beschallung für den Garten

Kommentare zu " Leit-Artikel Geneva World Radio DAB+: Der musikalische Schönling"

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  • Sehr geehrter Herr Kerkmann,

    > In unserer Rubrik stellen wir ja unterschiedliche
    > Geräte vor - manche schneiden gut ab, manche
    > weniger. Wenn wir Ihrer Meinung nach ein bestimmtes
    > DAB-Radio unbedingt testen sollten, freuen wir uns
    > aber über eine Anregung

    für mich ist zumindest widersinnig ein Radio zu besprechen, das noch nicht mal Stationstasten für seinen UKW-Bereich hat. Wenn das Gerät keine WLAN- sondern nur eine Bluetooth-Schnittstelle hat, dann ist das als Peripherie ("Funklautsprecher") für ein Smartphone gedacht. Auf dem Umweg kann man dann vielleicht auch Internet-Radio hören, schon klar, aber wohl eher ein Nebeneffekt. Kann man auf dem Handy dann Radiosendungen aufnehmen?

    > Der Unterschied zwischen DAB und DAB+ ist ja im
    > Infokasten erklärt - vielleicht haben Sie das
    > übersehen.

    Im Gegenteil: Das physikalische Übertragungsverfahren bei DAB und DAB+ ist genau das gleiche. Also ist Ihre Aussage, dass die Umstellung auf DAB+ an den Empfangsmöglichkeiten irgendetwas geändert hätte, eindeutig falsch. DAB+ hat lediglich den Vorteil, dass man mit der gleichen Übertragungsrate mehr Programme mit gleicher Qualität bzw. die gleichen Programme mit besserer Qualität übertragen kann, als das bei DAB möglich war.

    > Die Sendeleistung spielt eine Rolle, ist aber auch
    > teils bei DAB-Programmen erhöht worden.

    Hier machen Sie wieder den Fehler, zwischen DAB und DAB+ zu unterscheiden: Beim Digitalradio wird seit den 1990er Jahren ein bestimmter Datenstrom pro Übertragungskanal übertragen. Welche Informationen dieser Datenstrom enthält, ist eine davon völlig unabhängige Frage. So ein Datenstrom enthält leicht ein Dutzend "Sender", wahlweise in DAB oder DAB+ codiert, plus diverse andere Dienste.Siehe z.B. http://www.ukwtv.de/sender-tabelle/index.html

    Die besseren Empfangsmöglichkeiten haben allein mit der "digitalen Dividende" des Fernsehens zu tun: Unterhalb von Kanal 12 sind höhere Sendeleistungen zulässig. Und mehr Platz ist da auch.

  • Wie bei allen Testberichten in dieser Rubrik gibt es einen Text und eine Bildergalerie - deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass hier zwei Elemente erscheinen.

    Der Text setzt sich an mehreren Stellen kritisch mit den Schwächen des Gerätes auseinander. Was halten Sie daran für Werbung?

  • 2 verschiedene Artikel zu diesem 400(!) Euro teuren Etikettenschwindel?
    Na, ob man das noch redaktionell nennen kann?

    Zitat: Zum Weltempfänger wird das World Radio aber ohnehin erst, wenn man ein Smartphone oder Notebook anschließt. Denn es hat kein WLAN-Modem /zitat ende

    Deshalb Etikettenschwindel, noch nicht mal WLAN-fähig für das Geld.

    Bitte 'Anzeigen' auch nicht vergessen als solche zu kennzeichnen. Danke.

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