Leit-Artikel Lumia 720
Nokias Rückkehr in die Mittelklasse

Es muss nicht immer Android sein: Nokia hat ein Mittelklasse-Smartphone mit Windows Phone 8 herausgebracht. Für 300 Euro gibt es solide Technik – und ein kostenloses Navigationssystem. Das Gerät im Test.
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DüsseldorfAuch wenn die Smartphone-Hersteller mit ihren Spitzenmodellen protzen: Die Möglichkeiten der High-End-Geräte für 600 Euro aufwärts nutzt kaum jemand aus. Um unterwegs die Mails zu checken und im Internet zu surfen, reichen Geräte für die Hälfte aus. Nokia verkauft nach Jahren des Umbaus wieder so ein Mittelklasse-Modell, das Lumia 720 mit dem Betriebssystem Windows Phone 8. Der Test von Handelsblatt Online zeigt: Das Gerät ist höchst solide – und lockt mit ein paar Schmankerl.

Das Gerät hat ein ähnlich eckiges Äußeres wie das Nokia-Spitzenmodell Lumia 920, ist aber schlanker und leichter als der große Bruder. Es liegt gut in der Hand und lässt sich dank des für heutige Verhältnisse fast schon kleinen Bildschirms mit 4,3 Zoll Diagonale auch mit einem Daumen bedienen. Und es rutscht locker in die Tasche der Jeans.

Das Gehäuse des Testgerätes besteht aus einem matten, knallgelben Kunststoff, der aber (anders als etwa im Fall des Galaxy S4 von Samsung) nicht billig wirkt. Schmutzige Finger hinterlassen zwar auf dem hellen Untergrund ihre Spuren, lassen sich aber leicht wieder abwischen. Wer es weniger grell will, bekommt das Lumia 720 auch in rot, blau oder schwarz.

Das Display mit IPS-Technologie bietet kräftige Farben, tiefes Schwarz und starke Kontraste; auch bei Tageslicht lässt sich gut darauf lesen. Allerdings ist die Auflösung von 480x800 Pixeln vergleichsweise niedrig – für Videos in HD-Qualität reicht das beispielsweise nicht. Auch die Pixeldichte von 217 Bildpunkten pro Zoll (ppi) kann nicht mit den derzeitigen Spitzenmodellen mithalten, die fast doppelt so viel bieten. Da sind die (allerdings auch deutlich teureren) Modelle HTC One, Galaxy S4 und Xperia Z derzeit das Maß aller Dinge. Immerhin ein nettes Extra für den nächsten Winter: Der Touchscreen lässt sich auch mit Handschuhen bedienen.

Solide sind die inneren Werte. Der Doppelkernprozessor lässt im Alltag keine Schwächen erkennen, acht Gigabyte interner Speicher sind OK, aber nicht großartig. Der 512 Megabyte große Arbeitsspeicher reicht für die meisten Aufgaben locker aus, erlaubt allerdings keine aufwendigen Spiele. Auf den Mobilfunk-Turbo LTE – in den Spitzenmodellen Standard – müssen Nutzer wie bei vielen Mittelklasse-Modellen auch verzichten.

Ein klarer Pluspunkt: Der Akku ist ein Dauerläufer. Wenn einige Stromfresser schon längst wieder ans Netz müssen, sind noch 30 bis 40 Prozent drin. Nokia gibt die reine Standby-Zeit mit 520 Stunden an, im Alltag reichte eine Ladung meist für anderthalb oder zwei Tage. Austauschen lässt sich der Stromspender allerdings nicht, weil der Deckel fest angebracht ist.

Aus dem Einerlei der Mittelklasse-Androiden hebt sich Nokia mit dem Betriebssystem ab: Die Finnen setzen auf Windows Phone 8, die Smartphone-Software von Microsoft mit dem markanten Kachel-Design. Über die bunten Rechtecke öffnen Nutzer Adressbuch und Telefon, Browser und Mails, Musik und Navigation. Zudem können sie eigene Kacheln anlegen, etwa mit den Lieblings-Apps, gerne gehörten Podcasts oder allen Nachrichten und Anrufen der Familie. Das geht leicht von der Hand – hier bietet Windows Phone deutlich mehr Möglichkeiten als die iPhone-Software iOS.

Das Software-Angebot offenbart Stärken und Schwächen. Positiv: Die Nokia-Kartendienste sind kostenlos integriert, darunter das komfortable Navigationssystem Drive und der City-Kompass, der Informationen über Geschäfte und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung anzeigt. Für Autofahrer durchaus ein Argument. Auch eine mobile und leicht zu bedienende Variante von Office ist an Bord – Software-Lieferant Microsoft sei Dank.

Gelungen ist auch die Musik-App von Nokia. Sie spielt nicht nur meine MP3-Dateien ab, sondern streamt auch kostenlos Musikmixe auf mein Gerät, schön sortiert nach der Stilrichtung. In der Premiumversion für 4 Euro im Monat kann man den Dienst auch auf dem PC oder Tablet nutzen.

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  • Herzlichen Glückwunsch zum tollen Gedächtnis, aber ich kann dieses ewige Bochum nicht mehr hören. Apple, Google, Samsung und die anderen zahlen keine erwähnenswerten Steuern in Deutschland und werden es auch zukünftig nicht tun, während Nokia noch mehrere tausend hochqualifizierte Arbeitnehmer in Deutschland hat (z. B. den Entwicklungsstandort in Berlin).

  • Diese Subventionen werden leider auch gern von anderen abgegriffen. Die Produktionskosten sind halt höher als
    in Asien. Bezüglich Handy-Alternative, welcher Hersteller
    lässt gleich nochmal in Deutschland fertigen???

  • NOKIA ist für mich zwischenzeitlich ein absolutes No-Go.

    Ich habe nicht vergessen, das man erst in Bochum Subventionen in Millionen-Höhe abgegriffen und den Standort wenig später geschlossen hat, um selbiges Spiel dann in Rumänien zu wiederholen. Der Standort dort ist zwischenzeitlich ebenfalls dicht gemacht worden. Vermutlich kurz nach dem Stichtag nach dem man die EU-Fördergelder nicht mehr zurückbezahlen musste.

    NOKIA steht seither auf meiner persönlichen Boykott-Liste!

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