Leit-Artikel Samsung Galaxy Gear
Auf den Spuren von Knight Rider

Samsung bleibt am Puls der Zeit: Der Konzern hat mit der Galaxy Gear seine erste Smartwatch herausgebracht. Die funktioniert im Test gar nicht schlecht, ist aber nicht mehr als ein Spielzeug für Gadget-Enthusiasten.
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DüsseldorfHilfe, meine Uhr will mit mir sprechen! Der erste Anruf mit der Samsung-Smartwatch Galaxy Gear hat schon etwas Befremdliches. Wenn sich Armbanduhren normalerweise bemerkbar machen, dann geschieht das durch leises Ticken (analog) oder häufig deplatziertes Piepsen (digital). Die Gear hingegen meldet mit einem Vibrieren, dass aus dem Smartphone ein Anruf eingeht – sie funktioniert nur im Doppelpack mit einem Mobiltelefon als Basisstation.

Mit dieser Funktion spricht die Gear eine ganze Generation junger Erwachsener an, die seit ihrer Fernseh-Sozialisierung in den 80er Jahren mit „Knight Rider“ von einer schlauen Uhr träumen. Einer Uhr, die sich als Kommunikationsgerät, Bordcomputer oder Geheimagentenausrüstung ans Handgelenk schmiegt.

Aber hält das Gerät, was es verspricht? Zum Test steht die Samsung Galaxy Gear mit vier Gigabyte internem Speicher, 800 Megahertz Prozessor, einer 1,9-Megabyte-Kamera und einem 1,63 Zoll kleinen LED-Display bei einem Gewicht von 73,8 Gramm. Kostenpunkt: rund 300 Euro.

Alleine nicht besonders smart

„Gear“ bedeutet übersetzt „Ausrüstung“, aber auch „Steuerung“. Beides bringt gut auf den Punkt, was diese Smartwatch, also eine Kreuzung aus Smartphone und Armbanduhr, macht: Die Galaxy Gear ist ein Zubehör, sie steuert ein anderes Gerät – in diesem Fall ausschließlich einige wenige Samsung-Smartphones. Denn damit Uhr und Smartphone sich verstehen, wird die App „Gear Manager“ benötigt, die wiederum nur auf dem Betriebssystem Android 4.3 Jellybean läuft. Diese Version ist erst für wenige Geräte angepasst worden.

Kompatibel ist die Smartwatch derzeit mit Samsung Galaxy S4, Galaxy Note 3 und dem Tablet-Computer Galaxy Note 10.1 2014 Edition. Der Hersteller verspricht, dass sich nach dem Update auf Android 4.3 auch S3 und Note 2 mit der Gear verstehen. Wer keines dieser Geräte hat, kann mit der Computer-Uhr wenig anfangen.

Ist der „Gear Manager“ installiert, läuft der Kontakt zwischen Smartwatch und Mobilegerät absolut reibungslos. Ein Kontakt genügt, schon koppeln sich die Geräte per Nahfunk-Technologie NFC und Bluetooth. In der Testphase kam es nicht einmal zu einer Störung oder einem ungewolltem Abbruch der Verbindung. Das allein ist schon aller Ehren wert. Allerdings ändert sich nichts an der klassischen Bluetooth-Reichweite, sprich: Rund um die Entfernungsmarke von zehn Metern wird es kritisch mit dem Signal.

Nicht schießen, aber telefonieren

Was kann sie denn nun, diese Smartwatch? Nun, sie kann keine Gummigeschosse oder Druckluftpatronen abfeuern (wie die Geräte im Yps-Heft oder im James-Bond-Film), eine Taschenrechnerfunktion ist beim Start auch nicht an Bord. Aber es lässt sich damit immerhin der beste Freund und Partner anrufen (wie bei Knight Rider). 

Die Grundfunktionen der Gear sind überschaubar und größtenteils intuitiv geregelt. Anrufe werden ohne Zeitverzögerung weitergeleitet und können per Fingerwisch oder Sprachbefehl angenommen oder abgewiesen werden. Auch SMS werden gelesen, für E-Mails gibt es zumindest Benachrichtigungen. Mit einem Update, das erst nach dem Test veröffentlicht wurde, zeigt die Uhr auch den kompletten Inhalt der Nachricht.

Darüber hinaus sind nur wenige Apps vorinstalliert, etwa ein Schrittzähler und eine Kalender-Schnittstelle. Zusätzliche Anwendungen zu installieren, ist umständlich: Im Samsung Store gibt nur eine sehr kleine Auswahl. Bei der Installation muss die App vielfach erst einmal auf dem Handy oder Tablet eingerichtet werden.

Recht brauchbar funktioniert die Notiz-Anwendung Evernote. Auch Atooma, eine App mit der bestimmte Aktionsabläufe im Muster „Wenn..., dann...“ definieren lassen, erweist sich als durchaus sinnvoll. Sie macht der Gear beispielsweise klar, dass sie auf Vibration stellen soll, wenn man das Handgelenk schüttelt. Wer beim Joggen zwei Geräte mit sich führen will, darf sich über verschiedene Fitness-Apps freuen.

Vollkommen überflüssig dagegen sind Angebote wie der Wine Scanner: Der sagt einem, welchen Wein man gerade vor sich hat – wenn man das Etikett fotografiert. Es gib auch Berichte, dass normale Android-Anwendungen auf der Gear ans Laufen gebracht wurden. Aber der Großteil der Apps scheitert am winzigen Display und der geringen Rechenleistung.

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