Leit-Artikel Sony RX-1: Statussymbol für Kameranarren

Leit-Artikel Sony RX-1
Statussymbol für Kameranarren

Sie ist das Ziehkind von Sony-Chef Hirai: Die Kamera RX1 hat ein kompaktes Gehäuse, aber einen riesigen, geradezu Leica-mäßigen Sensor. Aber hat sie auch den „Wow-Faktor“? Unser Tester hat es ausprobiert.
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TokioIch gestehe, ich bin ein Kameranarr. In den vergangenen Jahren habe ich einige Geräte getestet und hin und wieder auch eines gekauft. Doch auf kaum eine Kamera habe ich mit mehr Spannung gewartet als auf Sonys Ausflug in die Oberliga der „Vollformatkameras“, die kompakte RX1. Denn Sony-Chef Kaz Hirai hatte sie kürzlich in einem kleinen Kreis als sein erstes Ziehkind bezeichnet.

Es sei das erste Produkt, das er als neuer Firmenchef unter seine Fittiche genommen und vom Prototypen zum Produkt gehegt und gepflegt habe, sagte er jüngst in Sonys Tokioter Hauptquartier. Quasi als Mentor wolle er bei Schlüsselprodukten dafür sorgen, dass sie den „Wow-Faktor“ (O-Ton Hirai) haben, der Sony nicht nur seiner Meinung nach immer stärker abhanden gekommen war.

Medial ist ihm das bei der RX1 gelungen: Der Applaus war groß, als Sony im Sommer 2012 die Märkte mit einer Kompaktkamera überraschte, die geradezu Leica-mäßig Bildsensor, der so groß ist wie ein klassisches Kleinbildnegativ, mit einem fest montierten, relativ lichtstarken 35-Millimeter-Objektiv kombinierte. Die meisten Tester umhängten die Kamera ebenfalls mit Lorbeeren.

Doch gefällt sie mir auch? Die Antwort vorweg: Ja, mit Einschränkungen. Aber am besten ist sie für statusbewusste Qualitätsliebhaber geeignet: Bei einem Preis von rund 3000 Euro können betuchte Fotografen mit der Kamera und der Bildqualität angeben. Damit haben sie endlich eine Alternative zu Leica.

Der erste Eindruck: Als ich die Testkamera von Sony aus der Box nehme, erscheint sie mir unbalanciert. Im Verhältnis zum kleinen Gehäuse sieht das Objektiv verdammt groß aus. Doch die erste taktile Annäherung zeigt: In der Hand liegt die Kamera gut. Die Verarbeitung des Metallkörpers fühlt sich gewichtig-solide an, dennoch ist eine Ein-Hand-Bedienung problemlos möglich.

Der Nebeneffekt: Das große Objektiv eignet sich ganz hervorragend als Griff, um die Kamera unauffällig schussbereit beim Spaziergang mitzuführen. Hochheben, aus der Hüfte ein diskretes Foto wagen oder die Kamera vors Gesicht heben, um auf dem Bildschirm oder durch den aufsteckbaren elektronischen Sucher das Motiv auszusuchen, das geht mir schnell in Fleisch und Blut über.

Kommentare zu " Leit-Artikel Sony RX-1: Statussymbol für Kameranarren"

Alle Kommentare
  • http://www.youtube.com/watch?v=LApO_BDRE8M

  • Dann kann man aber gleich D800, aktuell nur 200 EUR teurer, kaufen.

  • Testen ist ja ganz nett, aber kaufen? Oh, Gott! Warum?
    Es gibts Besseres und dazu noch billiger.

  • "Was Zeiss in Verbindung mit Hasselblad auf die Beine stellt, ist sensationell und natürlich auch teuer. Aber was solls. Qualität war schon immer etwas teurer. "
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    Nur werden die Kameras und die Objektivlinie zur Hasselblad H Reihe von Fuji hergestellt (nur die veraltete V-Reihe stammt noch von Zeiss. Fuji baute schon immer exzellente Objektive!), die Zeiss-Objektive für Kleinbildkameras (ZE, ZF) zu einem Teil von Cosina.
    Nikon-Linsen (die erschmelzen ebenfalls ihre eigenen Gläser) sind übrigens keinen Deut schlechter. Wobei ich immer davon ausgehe, daß es um praktische Photographenarbeit geht und nicht um Pixelpeeperei bei 400%!

  • .....und die Japaner können noch so viel mit der Hüfte wackeln und somit auf sich aufmersam zu machen. An die deutschen Objektive (Zeiss im besonderen und Leica) kommen sie nicht heran. Das ist eine Frage der Glasschmelze, das können nur wir und sonst keiner auf der Welt. Was Zeiss in Verbindung mit Hasselblad auf die Beine stellt, ist sensationell und natürlich auch teuer. Aber was solls. Qualität war schon immer etwas teurer.

  • Allein dafür, dass diese Kamera keinen Objektivwechsel erlaubt, scheidet sie schon für einen gewissen Käuferkreis einfach aus.

    Hinzu kommt, dass mittlerweile die Nikon D600 den gleichen Sensor für ca. 1.000 EUR weniger anbietet.
    Der einzige Unterschied, die Nikon wiegt etwas mehr und ist eine reine Spiegelreflexkamera ... aber man kann mit ihr wenigstens die Objektive wechseln.
    Warum Sony das nicht zugelassen hat, ist mir unverständlich. Wenigstens zwei bis drei Wechselobjektive wären wohl das Mindeste!

  • "Damit haben sie endlich eine Alternative zu Leica."
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    Die Sony RX1 ist defintiv keine Alternative zur Leica M9. Letztere ist eine Systemkamera mit einer Objektivpalette von 16 mm bis 135 mm, teilweise mit enormer Lichtstärke von f/1.4, selbst bei 21 und 24 mm! (24 mm: Perfekt für hautnahe Reportagen!)

    "Zweitens – und schwerwiegender: Der Autofokus packt das Motiv zwar deutlich schneller als meine Canon-Spiegelreflex in Live-View. Jedoch trabt er [...] träge über die Entfernungsskala, im Dunkeln sogar langsam."
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    Womit die RX1 für die schnelle Reportagearbeit bei sehr schlechtem Licht unbrauchbar ist.
    Fazit für mich: Ein Spielzeug für Leute die zuviel Geld haben und mehr wert auf technische Spielereien legen als auf Bilder...

    Btw., eher ist die Fuji X-pro 1 als Alternative zur Leica zu sehen.

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