Leit-Artikel Tolino Shine
Die deutsche Antwort auf den Kindle

Gemeinsam gegen den Marktführer: Die großen deutschen Buchketten haben einen E-Reader herausgebracht, der dem Kindle von Amazon Konkurrenz machen soll. Der Preis ist überzeugend, die Software aber nicht. Ein Test.
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DüsseldorfDie deutsche Buchbranche will Amazon den Markt für E-Books nicht kampflos überlassen: Die Großketten Thalia, Weltbild, Hugendubel und Club Bertelsmann, sonst Konkurrenten, bieten gemeinsam mit der Deutschen Telekom einen eigenen E-Reader an, den Tolino Shine. Was taugt die deutsche Antwort auf den Kindle? Wir haben den Reader ausprobiert.

Dass die Buchketten es ernst meinen, zeigt schon der Preis: Der Tolino kostet rund 100 Euro und damit rund 30 Euro weniger als der vergleichbare Kindle Paperwhite von Amazon. Trotzdem wirkt das Gerät nicht billig. Die gummierte Oberfläche fühlt sich angenehm an, das Leichtgewicht liegt gut in der Hand.

Wie bei Kindle, Sony Reader und Kobo kommt ein Display mit elektronischer Tinte zum Einsatz – E-Ink. Der Tolino Shine punktet mit einem hohen Kontrast, so dass ich auch in der Sonne problemlos lesen kann. Dank der LED-Beleuchtung kann ich aber auch unter der Bettdecke oder im Dunkeln schmökern. Die leichten Schatten am unteren Rand stören nicht weiter.

E-Books im EPUB-Format sehen auf dem E-Ink-Display klasse aus, mit PDF-Dateien habe ich aber meine Mühe. Das Zoomen und Navigieren auf dem Touchscreen ist hakelig, weil der Bildschirm langsam reagiert und flackert – dafür ist er eben nicht ausgelegt. Zudem muss ich auf jeder Seite die Einstellungen erneut anpassen.

Während es an der Hardware wenig zu meckern gibt, offenbart die Software Schwächen. Ich kann weder Textstellen markieren, Anmerkungen schreiben noch Wörter im Lexikon nachzuschlagen. Dass ich meine erlesenen Erkenntnisse bei Facebook posten kann, tröstet da wenig. Für den Einsatz an der Uni oder im Job eignet sich der Tolino damit nur bedingt – schade.

Die Buchhändler sind mit ihrem E-Reader vielleicht spät dran, aber sie haben von Amazon gelernt. Ähnlich wie die Kindle-Geräte ist der Tolino nicht nur ein Lesegerät, sondern auch ein elektronischer Kaufhauskatalog. Ist man mit dem Nutzerkonto angemeldet, kann man mit wenigen Klicks neue E-Books kaufen. Jede Kette installiert ihren eigenen Online-Shop vor, das Testgerät hatte den direkten Draht zu Thalia. Die Anbieter versprechen eine Auswahl von mehr als 300.000 Titeln.

Allerdings sind Leser nicht an einen Anbieter gebunden: Sie können auch E-Books von anderen Buchketten importieren oder in der Stadtbibliothek ausleihen, so lange die Bücher das richtige Format haben. Der Tolino Shine unterstützt EPUB-, PDF- und TXT-Dateien, verschluckt sich allerdings am Amazon-Format AZW. Die Buchsammlung vom Kindle können Nutzer also nicht herüberkopieren.

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Kommentare zu " Leit-Artikel Tolino Shine: Die deutsche Antwort auf den Kindle"

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  • Ich finde den Tolino auch spitze. Er ist etwas leichter als der Kindle und vorallem ist dort keine feste Bindung bei dem kauf von eBooks. Viele Paperwhite Käufer ist das vor dem Kauf garnicht bewusst. Laut der Informationsseite http://www.ebook-reader-vergleich.de/ereader-vergleich/direktvergleich/default.aspx hat der Tolino Shine auch Vorteile beim internen und externen Speicher. Also für mich spricht alles für den Tolino.

  • Textstellen markieren und Anmerkungen machen ... ist nice to have ... besonders beim Lesen von Belletristik ... Krimis und Herzschmerzschwarten als Ebook total überflüssig. Das ist bei Sachbüchern sicher ganz anders ... aber wer liest bitte sein Ebook über Photoshop in einem Ebookreader? Ich sehe genug Leute in unserer Stadtbibliothek, die sich ständig im Irrgarten überdimensionierter Menüfelder verlaufen ... also weniger ist manchmal mehr. Ach ja ... Amazon hat ein tolles Ebookangebot und tolle Geräte ... aber man geht einen Bund fürs Leben ein und das mag ich nicht.

  • Ich habe mich aufgrund der eingeschränkten Formate gegen einen Amazon (zahlt übrigens Steuern in Luxemburg) e-reader entschieden, und nutze seit fast einem Monat den Tolino. Nach dem (hoffentlich bald folgendem) Software Update dürften auch die etwas behäbigen Reaktionszeiten der Vergangenheit angehören.
    Ich nutze den Tolino zum Lesen. Für alles andere gibt es Smartphones, Pads etc.

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