Livescribe Echo
Papiercomputer mit Fehlermeldungen

Notizen auf Papier zu machen ist irgendwie uncool. Es sei denn, man hat einen Smartpen. Der Livescribe Echo kann die Kritzeleien nämlich auf den PC übertragen. Gefragt ist allerdings eine Menge Experimentierfreude.
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Der Livescribe Smartpen Echo ist so was wie ein Papiercomputer. Eine in den Stift eingebaute Kamera erkennt das unauffällig gemusterte Anoto-Spezialpapier und die Software im Stift merkt sich die Bewegungen auf dem Papier. Es wird also keine Texterkennung durchgeführt, sondern im Stift-Speicher entsteht ein Bewegungsprofil. Am PC oder Mac wird später darauf ein Bild des Geschriebenen "nachgezeichnet". Sehr gut: parallel zum Text kann Ton aufgenommen werden.

Ein Beispiel: Bei einem Vortrag werden nur einige entscheidende Stichworte notiert. Klickt man später am PC auf ein Stichwort, wird der dazu zeitlich passende Text abgespielt, sozusagen als nachträgliche Kontrollmöglichkeit. Hilfreich ist so was etwa, wenn man Vorträge oder Verhandlungen in fremden Sprachen verfolgen oder dokumentieren muss. Achtung: Nutzt man diese Aufnahme-Funktion zum Beispiel in Meetings, muss man aber die Teilnehmer vorher darauf hinweisen, dass man eine Aufzeichnung vornimmt. Audiofiles zu einem Text lassen sich per Passwort schützen. Als interaktive Dateien ("Pencast") können Protokolle oder Präsentationen ins Internet geladen oder per E-Mail verschickt und so allen Teilnehmern später zugänglich gemacht werden.

Auf dem Papier sind auch Symbole für Steuerbefehle aufgedruckt wie "Aufnahme", "Pause" oder "Stop". Auf das Symbol aufgesetzt, ein leichter Druck und ein leises Klick verkündet, dass der Stift den Befehl verstanden hat. Praktisch ist eine Einstellfunktion für Links- und Rechtshänderbetrieb.

In der Praxis bedarf es einer deutlichen Eingewöhnungsphase, bis man sich mit dem Stift in der Größe eines aufgeblasenen Füllfederhalters angefreundet hat und seine Vorteile richtig nutzen kann. Ein Minuspunkt ist natürlich, dass man das Spezialpapier kaufen muss. Der Preis liegt leicht über dem normaler Notizblocks, aber das ist noch nicht das Schlimmste: Es ist natürlich nicht in jedem Supermarkt zu bekommen. Deshalb erlaubt Livescribe den kostenlosen Ausdruck von Notizpapier auf ausgesuchten Farb-Laserdruckern. Im Test gelang es allerdings nicht, ein Notizbuch auszudrucken. Die Druckfunktion der Software ist eine Zumutung: nichtssagende Fehlermeldungen nerven und es gibt auch nichts einzustellen. Experimentierfreude am PC ist da gefordert.

Positiv ist die zunehmende Anbindung des Smartpens an das Internet und die mobile Welt. Aus der Livescribe-Desktop-Software besteht jetzt eine direkte Verbindung zum Cloud-Gedächtnis Evernote. Leider werden Text und Ton (noch?) getrennt im Web abgespeichert. Praktisch ist die iPad-App, die den bequemen Zugriff auf Notizen unterwegs ermöglicht. Schlecht: Stift-Zusatzsoftware im Livescribe-App-Store wie eine Handschriftenerkennung, um Aufzeichnungen in Word übernehmen zu können, sind kostenpflichtig.

Fazit: Wer kann Smartpens brauchen? Ärzte etwa, Studenten, Journalisten oder Geschäftsleute. Manchmal sind Notizen schneller per Papier als mit jedem Laptop oder sogar iPad erledigt. Seit Einführung der Smartpens 2007 hat sich zudem auf der Softwareseite viel getan. Die jüngste Generation mit Preisen von rund 100 bis 200 Euro hat den Anschluss an die Internet-Zeit gefunden.

Axel Postinett berichtet für das Handelsblatt über Technik-Trends.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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