Microsoft
Hoffnungsträger ohne Hoffnung

Ab sofort sind die ersten Mobiltelefone mit dem neuen Betriebssystem Windows Mobile 6.5 erhältlich. Microsoft will mit dem Betriebssystem wieder Anschluss finden im Smartphone-Markt und macht Druck auf die Hersteller: Wer die Hardware-Mindestanforderungen nicht erfüllt, darf das Logo "Windows phones" nicht verwenden.
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DÜSSELDORF. Das wir ein schwerer Tag für Microsoft-CEO Steve Ballmer. Ab heute sind die ersten Mobiltelefone mit dem neuen Betriebssystem Windows Mobile 6.5 erhältlich. Bei Mobilfunkkunden stoßen sie allerdings nur auf mäßiges Interesse. Zu tief sitzt die Enttäuschung bei den Nutzern der früheren Windows-Mobile-Geräte, die zu lange mit schlechter Leistung und komplizierter Bedienung traktiert wurden.

Der Smartphone-Markt gehört neben dem Internet-Geschäft zu den größten Sorgenkindern bei Microsoft. Im zweiten Quartal 2009 lag der Anteil von Smartphones mit einem Microsoft-Betriebssystem laut Gartner-Analysen nur noch bei neun Prozent. Im Vorjahresquartal hatte er noch zwölf Prozent betragen. Zum Vergleich: Apples iPhone sprang im gleichen Zeitraum von 2,8 auf 13,3 Prozent.

Windows Mobile 6.5 sollte den Niedergang stoppen. Die Bedienung ist zwar übersichtlicher und einfacher geworden - die Menüs sind groß und aufgeräumt. Die neue Version ist zudem für den Einsatz auf Touchscreen-Geräten optimiert und soll schneller laufen. Dafür wurde extra der Quellcode entschlackt und teilweise neu geschrieben. Aber es gibt nach wie vor Probleme: Ein zu hoher Ressourcenverbrauch, dadurch langsame Reaktion auf Eingaben, Verzögerungen in der Programmausführung - vor allem bei einfacheren Geräten.

Da diese Unzulänglichkeiten nicht in den Griff zu bekommen waren, hat der Konzern aus Redmond die Mindestanforderungen an die Hardware für die neue Plattform deutlich nach oben geschraubt, so ein Konzerninsider gegenüber dem Handelsblatt. Wer diese nicht erfüllt, darf das Logo "Windows phones" nicht einsetzen und muss weiter Windows 6.1 installieren. Die Alternative wäre für Ballmer nur gewesen, eigene Telefone mit standardisierter Hardware zu bauen.

Ein weiteres Problem scheint die Ansteuerung kapazitiver Berührungsbildschirme zu sein, wie sie das iPhone populär gemacht hat. Sie ist nach Handelsblatt-Informationen in Windows 6.5 ab Werk noch immer nicht integriert.

Microsoft hat daher bereits die Flucht nach vorn angetreten und den Nachfolger für die Zwischenlösung 6.5 angekündigt. Mobile 7.0 soll im ersten Halbjahr 2010 fertig sein und auf einer vollständig neuen Code-Basis aufsetzen. Ob alte 6.x-Software oder früher noch darauf laufen wird, sei noch unklar, so der Insider. Aber eines sei klar: "Wir müssen und wir werden einen Schnitt machen."

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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