Mobile Anwendungen Die Angst vor Virenangriffen steigt

Es war eine beunruhigende Entdeckung: Ende Februar spürten Analytiker des russischen Softwareunternehmens Kaspersky Lab ein neuartiges Schadensprogramm auf. Der Name: Trojan-SMS.J2ME.RedBrowser.a.
  • Lars Reppesgaard
Smartphones wie Sony-Ericsson M600i, Nokia E61 und E60, Motorola L2 oder Nokia 9300i sind vor Viren oft nicht geschützt.

Smartphones wie Sony-Ericsson M600i, Nokia E61 und E60, Motorola L2 oder Nokia 9300i sind vor Viren oft nicht geschützt.

DÜSSELDORF. Zuvor war in der Mobilwelt die Wirksamkeit von Hackercodes nur auf einzelne Betriebssysteme beschränkt. Das heißt: Ein mit Symbian betriebenes Handy war immun gegen einen mobilen Schädling, der für einen mit Treo betriebenen Palm entwickelt worden war. Der neue Virus dagegen kann alle Geräte befallen, die eine Java-Plattform unterstützen.

Damit steigt die Gefahr für mobile Anwendungen in Unternehmen: Bisher entdeckte Smartphone-Viren wie der Wurm Cabir, der Trojaner Skulls oder der Gavno-Virus fanden sich vor allem in den Analyselabors der Softwarefirmen. Sie sind so genannte Proof-of-Concept-Viren, also Fingerübungen, mit denen Hacker lediglich die prinzipielle Angreifbarkeit eines Betriebssystems testen. Die meisten Szenarien, etwa das Aussenden eines Mobilvirus über eine offene Bluetooth-Verbindung an eine ahnungslose Menge an einem Bahnsteig, sind – bislang – hypothetisch. Praxisbeispiele für Attacken, deren Ausmaß mit dem Angriffen auf Computer nur annähernd vergleichbar ist, gibt es deshalb nicht. „Anders als beim PC ist die Masse der Viren noch überschaubar“, sagt Patrick Heinen, Sicherheitsexperte beim Softwareunternehmen Symantec. „Und Methoden, wie sich ein Virus verbreiten kann, sind sehr eingeschränkt.“

Dennoch bereitet das Thema mobile Sicherheit den Experten zunehmend Kopfzerbrechen. Technisch gesehen ist es ein kurzer Weg von Konzeptstudien zu Viren, die massive Schäden anrichten, indem sie beispielsweise Daten löschen, das Telefon zum Absturz bringen, selbstständig kostenpflichtige SMS-Dienste abonnieren, wie es der von Kaspersky entdeckte Trojaner tut, oder unaufgefordert teure Telefonverbindungen aufbauen. Und die Zahl der Schadensprogramme nimmt rasant zu. „Wir haben bereits über 100 Proof-of-Concept-Viren für Mobiltelefone gefunden“, erklärt der Virenspezialist des Sicherheitslösungsanbieters McAfee, Ray Gurvitz. „Der Zuwachs ist stärker, als wir es je bei Computer-Schädlingen festgestellt haben.“

Vor allem die Geschäftswelt bedroht diese Entwicklung. Dort übernehmen Smartphones immer mehr die Funktion eines Computers: Anwender nutzen sie, um vertrauliche Daten zu speichern und geschäftskritische E-Mails zu verschicken. Rund 200 Millionen Geräte wurden bisher verkauft; nur wenige verfügen über vorinstallierte Sicherheitssoftware.

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