Mobile Business
Anwender dringend gesucht

Das iPhone macht noch keinen Boom - aber es hat vielen Menschen vor Augen geführt, was ein mobiles Büro sein könnte. Doch insgesamt stagniert das mobile Business derzeit, denn neue benutzerfreundliche Konzepte für Datendienste über das Internet sind Mangelware. Ein Problem, das die Experten auch auf dem am Montag beginnenden 3 GSM Mobile World Congress in Barcelona umtreiben dürfte.

DÜSSELDORF. Manchmal sind Zahlen doch nicht alles: Rund 2,3 Millionen iPhones hat Apple bislang verkauft - nicht viel mehr als ein großer Handyhersteller wie Nokia an einem Tag ausliefert. Das Mode-Telefon dürfte folglich keine sensationelle Neuerung sein für den Bereich der mobilen Geschäftsanwendungen, könnte man meinen. Und dennoch: Viele Geschäfts- und Computerfachleute hat das schmucke Teil tief beeindruckt. "Nicht, dass es technologisch ein großer Durchbruch wäre, aber die Art und Weise, wie mit Kommunikation Begeisterung erzeugt wurde, ist schon einzigartig", sagt Michael Kollig, CIO für Ost-, Zentral- und Nordeuropa bei der Danone Group in Haar. Und Mikko Hypponen, Chef der Anti-Virus Research-Abteilung bei F-Secure in Helsinki, glaubt: Erst das iPhone habe überhaupt "extrem vielen Nutzern das Konzept Smartphone näher gebracht".

Für Netzbetreiber und die Anbieter von mobilen Lösungen für die Geschäftswelt dürfte der Trubel rund um das iPhone eine gute Nachricht sein. Vor allem, wenn sie sich ab Montag auf dem 3GSM Mobile World Congress in Barcelona die Köpfe darüber heiß reden, wie der Umsatz, den jeder Kunde bei der Nutzung dieser Dienste macht, weiter gesteigert werden kann. Denn bisher gilt: Neue, benutzerfreundliche Konzepte für Datendienste über das Mobiltelefon sind Mangelware.

Schließlich wächst gegenwärtig deren Geschäft mit den mobilen Datendiensten längst nicht schnell genug, um die Umsatzverluste aufgrund sinkender Gesprächsgebühren aufzufangen. Beispielsweise zählt der Düsseldorfer Mobilfunker Vodafone zwar stolze 4,75 Millionen UMTS-Kunden, darunter 4,23 Millionen mit UMTS-Handys und 517 000 mit Laptops und UMTS-Karte. Doch der wichtige Umsatz pro Kunde und Monat (ARPU) betrug nur noch 19,50 Euro im letzten Quartal, im Vergleich mit dem Vorjahresquartal sank er um 2,90 Euro je Kunde. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, der Markt für mobile Geschäftslösungen wächst dem britischen Marktforschungsunternehmen Datamonitor zufolge vor allem in Deutschland inzwischen nur noch langsam.

So gut wie alle Topmanager haben bereits einen Blackberry oder ein anderes Mobil-Spielzeug. Und solche Branchen, die mobile Geschäftsanwendungen in der Breite gut gebrauchen können, nutzen sie bereits. Die meisten Versicherungen und andere Finanzdienstleister versorgen ihre Außendienstler schon mit mobilen Daten. Und wer Service-Techniker bei Wartungsarbeiten mit Informationen aus der Zentrale unterstützen kann, tut dies ebenfalls bereits. Rund 60 Prozent der Unternehmen nutzen mobile Geschäftslösungen, Datamonitor-Analystin Aphrodite Brinsmead glaubt nicht daran, dass es in nächster Zeit wesentlich mehr werden: "Der Markt ist gesättigt. Die Firmen, die sich von mobilen Geschäftsanwendungen Vorteile versprechen, setzen sie ein. Die übrigen Unternehmen sehen keinen Sinn darin und investieren deshalb nicht in sie." Der Aufbau weiterer Mobil-Lösungen habe in Firmen keine Priorität.

Die teilweise schlechten Erfahrungen der Pionierkunden erschwert obendrein das Geschäft: So warnt das IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner die Mobilfunkanbieter davor, sich zu wenig an den individuellen Anforderungen ihrer Großkunden zu orientieren. "Im Moment tun viele Anbieter nicht genug, um Unternehmenskunden langfristig zu halten", sagt Gartner-Analyst Martin Gutberlet. Er vermisst spezialisierte Teams, die jeweils einen Firmenkunden betreuten. "Das Ziel sollte sein, Marktanteile in einem Sektor zu verteidigen, in dem die Bedürfnisse der Kunden immer anspruchsvoller werden." Dabei gäbe es Möglichkeiten, die Kundenzufriedenheit zu steigern, sagt Gutberlet. So könne man für unterschiedliche Nutzer wie beispielsweise Vielreisende oder Fachleute mit einem hohen Bedarf an mobilen Datenverkehr individuelle Vertragsprofile erstellen.

Angesichts der nur langsam wachsenden Datenumsätze durch Geschäftsanwender ruht die Hoffnung der Mobilnetzbetreiber verstärkt auf den Privatkunden. Mit eigenen mobilen Datenangeboten wie T-Zones bei T-Mobile, iMode von E -Plus oder Vodafone Live sind die Netzanbieter gescheitert. Nun sollen der einfache Zugang ins Internet ohne technische Umwege und Pauschaltarife das Geschäft ankurbeln. Angebote wie Nokias Ovi-Portal sind bereits speziell auf Mobilsurfer zugeschnitten.

Die Kooperation von T-Mobile mit Apple zeigt aber, wie schwach inzwischen die Verhandlungsposition der Mobilnetzbetreiber ist. Die Anbieter attraktiver Inhalte und Endgeräte schaffen es inzwischen, den einst mächtigen Herren der Mobilwelt, Bedingungen zu diktieren: Apple bekommt 30 Prozent der Gesprächs- und Datenumsätze. Diese Vereinbarung könnte sich für die Netzbetreiber als gefährlicher Präzendenzfall erweisen, denn auch die Anbieter von mobiler Werbung, Shopping-Lösungen oder Handy-TV-Programmen könnten sich nun auf ihre Marktmacht besinnen und immer größere Stücke vom Kuchen fordern. Roman Friedrich, Telekom-Experte des Unternehmensberaters Booz Allen Hamilton, hält es sogar für möglich, "dass die Mobilfunker zu bloßen Lieferanten von Bits verkommen".

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