Mobile World Congress 2008
Der harte Kampf ums Geschäftsmodell

In der Mobilfunkbranche werden die Karten neu gemischt. Die klassischen Grenzen zwischen den Geschäftsfeldern der einzelnenen Wettbewerber verwischen: Längst geht es nicht nur um zahlungskräftige Kunden, sondern vor allem um lukrative Werbeeinnahmen im mobilen Internet.

HB BARCELONA. In der Mobilfunkbranche werden die Karten neu gemischt. Mobilfunkkonzerne, Gerätehersteller und große Diensteanbieter bringen sich auf der Branchenmesse Mobile World Congress in Barcelona in Position und ringen um die Geschäftsmodelle der Zukunft. „Die Branche steht vor einem fundamentalen Wandel. Die Menschen wollen Anwendungen vom Festnetz auch auf ihrem Handy nutzen“, sagte E-Plus-Chef Thorsten Dirks am Dienstag auf der Messe.

Dabei verwischen die klassischen Grenzen: Nokia will sich nicht mehr nur aufs Bauen von Mobiltelefonen beschränken, Google bastelt an einem Betriebssystem für Handys und Vodafone hofft auf sprudelnde Umsätze mit eigenen Musik- und Bilder-Angeboten. Dabei geht es nicht nur um zahlungskräftige Kunden, sondern auch um lukrative Werbeeinnahmen im mobilen Internet.

„Netzgeschwindigkeiten, Endgeräte und Services verbessern sich ständig. Sie werden künftig viel mehr auf ihrem Handy erledigen können als am PC“, sagte Vodafone-Chef Arun Sarin. Allein mit dem Verkauf von Verträgen sei es für die Mobilfunker daher nicht mehr getan. Sie müssten zunehmend selbst Inhalte für die Nutzer anbieten. T-Mobile-Chef Hamid Akhavan kündigte in Barcelona die Zusammenarbeit mit dem Internet-Konzern Yahoo an. Yahoo soll eine Technologie liefern, bei der relevante Ergebnisse der Online-Suche direkt angezeigt werden und nicht erst als Links. Handy-Nutzer wollten die Informationen auf den kleinen Bildschirmen möglichst kompakt und ohne Umwege sehen, argumentierte Yahoo!-Manager Marco Boerries. Der Dienst bei T-Mobile soll Ende März starten.

Bis Ende des Jahres will T-Mobile außerdem den Zugang zu den Instant-Messengern von Windows Live, ICQ, AOL und Yahoo! anbieten. Darüber hinaus soll T-Mobiles „web'n'walk“-Portal durch Kooperationen mit Diensten wie YouTube, MySpace oder Flickr ausgebaut werden.

Auch der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia sieht sich nach neuen Einnahmequellen um und will daher im Revier der Netzanbieter wildern. Mit dem Portal Ovi (Deutsch: Tür) will Nokia vom zweiten Quartal an unter anderem Musik, Spiele, Navigations-Dienste anbieten. Nokia hofft dabei vor allem auf seine Marktmacht. Zuletzt lag der Marktanteil der Finnen bei rund 40 Prozent. „Dank unserer Größe können wir mit einer Geschäftsentscheidung eine Funktion gleich auf hunderte Mill. Handys bringen. Die Frage ist dann, ob die Menschen das alles auch tatsächlich nutzen“, sagte der zuständige Nokia-Bereichschef Niklas Savander.

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