Mobile World Congress 2008
Nokia will das Internet vom Computer befreien

Der Handy-Weltmarktführer Nokia forciert die Verschmelzung von Handys, Navigation, Internet, Musik und Fernsehen. Auf der weltgrößten Branchenmesse, dem Mobil World Congress in Barcelona, stellte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo mehrere neue Geräte vor, die diesen Anforderungen entsprechen. Der Weltmarktführer und seine Suche nach neuen Einnahmequellen.

BARCELONA. Nokia kündigte auch neue Software für die Fußgänger-Navigation an: "Wir holen die Navigation vom Auto auf die Straße", sagte Kallasvuo in Barcelona. Er sagte voraus, dass sein Konzern in diesem Jahr 35 Mill. Handys mit Navigationsfunktion verkaufen wird.

Die Fußgängernavigation etwa zeigt dem Nutzer die Karte immer richtig zur eigenen Position - ein ins Handy integrierter elektronischer Kompass macht es möglich. Gegen Gebühren lassen sich Zusatzinformationen wie Fahrpläne abrufen. "Wir definieren das Internet neu, weil wir es jetzt ernsthaft vom Computer befreien", versprach Kallasvuo.

Der Weltmarktführer sucht wie seine Konkurrenten nach neuen Einnahmequellen. Wegen sinkender Gerätepreise und neue Akteure auf dem Markt sind alle großen Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber auf der Jagd nach neuen Einnahmemöglichkeiten. Dazu zählt auch das bereits im vergangenen August vorgestellte Online-Portal Ovi, über das künftig Musik, Videos, Spiele und Karten heruntergeladen werden können.

Ursprünglich war der Ovi-Start in Europa im ersten Quartal geplant, doch offensichtlich gibt es Verzögerungen: "Wir wollen sicher sein, dass alles funktioniert", räumte Niklas Savander, bei Nokia für die Service und Software-Sparte verantwortlich, gegenüber dem Handelsblatt ein. Bislang läuft nur eine abgespeckte Version in Großbritannien. Erst im zweiten Quartal soll das Portal unter anderem in Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien und Spanien online gehen.

Kallasvuo versicherte in Barcelona, dass sein Konzern mit der stärkeren Internetausrichtung den Mobilfunkbetreibern keine Konkurrenz mache. Vielmehr profitierten beide Seiten. Mit dem Ende vergangenen Jahres erreichten Handy-Weltmarktanteil von erstmals 40 Prozent ist er noch nicht zufrieden: Er hoffe nicht, dass dies das "Allzeithoch" sei, sagte er.

Dagegen gab sich das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) deutlich zurückhaltender. NSN-Chef Simon Beresford-Wylie sprach von einem "sehr geringen Wachstum" im laufenden Jahr. Zwar würde der Datenverkehr in den Mobilfunknetzen explosionsartig steigen, doch bislang hielten sich die Betreiber mit einem Ausbau der Kapazitäten zurück.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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