Mobile World Congress
Nokia paktiert mit Skype – Vodafone kontert

Der nächste Affront gegen die Mobilfunkbetreiber: Nokia wird die Software des Internet-Telefondienstes Skype auf seinen künftigen Mobiltelefonen vorinstallieren. Der aber ist den Netzbetreibern ein Dorn im Auge, die verhindern wollen, dass die Kunden mit ihren Datentarifen oder W-Lan-Anschlüssen auch noch billige Telefonate führen können. Die Zeche zahlt der Telefonkunde: Vodafone kontert sofort, die Nutzung von Messenger-Diensten und auch Skype wird ab April kostenpflichtig.

DÜSSELDORF. "Das ist eine sehr tiefgreifende Zusammenarbeit", erklärt Skype COO Scott Durchslag im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Skype- und Nokia-Ingenieure haben eng zusammengearbeitet". So wird etwa das Nokia-Telefonbuch vollständig und nahtlos mit dem Skype-Kontaktverzeichnis integriert werden. Zunächst werden die Multimedia-Geräte der "N"-Serie mit Skype ausgestattet werden, ob auch die "E"-Serie-Geräte der Businessklasse das Programm bekommen, steht noch nicht fest.

Skype wird ab dem dritten Quartal 2009 auf dem neuen Flaggschiff N97 vorinstalliert sein, so Durchslag in Barcelona auf dem Mobile World Congress. Anrufe oder Instant Messaging zu anderen Skype-Nutzern wären dann theoretisch kostenlos möglich, wenn der Handykunde eine Datenflatrate hat oder sich an einem kostenlos nutzbaren W-Lan-Hotspot befindet. Die sind etwa in den USA durchaus weit verbreitet. Telefonate zu anderen Mobil- oder Festnetz-Anschlüssen werden zu Skype-Konditionen abgerechnet.

Das Problem: Mobilfunkprovider verbieten die Nutzung solche Dienste oft per Vertrag oder blockieren den Datentransfer für Instant Messenger (IM) oder Internet-Telefonate auf technischem Weg. Beispielsweise ist derzeit kein Betrieb eines Skype-Programms auf dem Google-Handy G1 von T-Mobile möglich. Bei Vodafone Deutschland sind IM-Dienste wie AIM oder ICQ heute noch frei nutzbar. Aber das ist bald vorbei. Ab dem 1. April wird eine neue "IM-Option" eingeführt. Wer solche Programme nach dem 31. März nutzen will, muss auf seinen Mobilfunk- und Datentarif zusätzlich diese Option für 4,95 Euro monatlich aufbuchen. Selbst ein kostenloser Chat über den W-Lan-Router zuhause ist nicht automatisch möglich. Manche IM-Programme für Mobiltelefone verlangen zwangsweise einen Datentransfer über ein GSM-Netz - mit den dazugehörigen Kosten.

Das gilt auch für Vodafone - und Blackberry-Messenger, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigte. Und, jawohl, auch der neue Skype-Client auf dem Nokia-Telefon N97 wird nicht über kostenloses W-Lan zu betreiben sein, sondern nur mit der kostenpflichtigen Zusatzoption. Besonders fatal ist diese Politik im Ausland: hier fallen durch die Zwangsverbindung mit dem Mobilfunknetz zusätzlich enorme Kosten für Roaminggebühren an.

Solche Zusatzkosten schmälern natürlich die Attraktivität von Internet-Services wie Skype auf Mobiltelefonen. Trotzdem hofft Skype-COO Durchslag auf einen Erfolg: Er setzt vor allem auf Länder, in denen neue Mobiltelefone ohne hohe Subventionierung verkauft werden und die Kunden mehr Wahlfreiheit haben. "Das", so Durchslag, "repräsentiert immerhin rund fünfzig Prozent des weltweiten Mobilfunkmarktes". Was die Blockadepolitik einzelner Mobilfunkbetreiber angeht, hat er eine eigene Meinung. "Normalerweise haben Firmen Erfolg, die den Kunden geben, was die wünschen", sagt er. "Schlichtes Blockieren war im Geschäftsleben noch nie ein guter Rat."

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