Mobilfunk
EU greift überhöhte Auslandsgebühren an

Vorsicht beim Telefonieren mit dem Handy im Urlaub: Die EU-Kommission warnt vor Beginn der Reisesaison vor bösen Überraschungen bei den Gebühren, die oft deutlich über denen zu Hause liegen, und droht den Mobilfunk-Firmen mit Strafmaßnahmen.

dpa BRÜSSEL. "Ich bin überzeugt, dass von Seiten der Anbieter deutlich mehr Fortschritte nötig und möglich sind", sagte die zuständige Kommissarin Viviane Reding am Montag in Brüssel. Ihre Behörde präsentierte erste Ergebnisse einer Studie in Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichtsbehörden der 25 EU-Staaten für den Mobilfunk. Der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe) sagte Reding: "Gerade jetzt in der Reisezeit droht den Menschen eine böse Überraschung." Falls die Unternehmen die Gebühren nicht senkten, werde sie 2006 Maßnahmen einleiten. "Der Kunde kennt die Preise nicht", sagte sie. "Sogar Spezialisten blicken nicht mehr durch."

Ein erster Schritt wird sein, von Herbst im Internet einen Überblick über die Kosten für diese so genannten Roaming-Gebühren zu geben. Roaming-Gebühren berechnen Mobilfunkanbieter untereinander für grenzüberschreitende Anrufe. Ein Anbieter in Deutschland muss beispielsweise an seinen Partner in Griechenland Gebühren für die Nutzung dessen Netzes bezahlen. Diese werden dann auf die Kunden teilweise umgelegt.

Die Erhebung der Kommission zeigt, dass die geringsten Kosten ein Finne hat, der 0,51 Euro für die Minute bezahlt, wenn er auf Zypern zuhause anruft. Zehn Mal so mehr muss ein Pole bezahlen, der auf Malta Ferien macht und eine Minute mit der Heimat telefoniert: 5,01 Euro. "Die Gebühren sind derzeit sehr hoch, ohne dass es dafür eine klare Rechtfertigung gibt", bemängelt die Untersuchung.

Die Kommission hatte schon 2001 und 2002 die Branche ins Visier genommen, um die Preisbildung zu untersuchen. Dabei ging es aber um die Gebühren, die die Unternehmen sich gegenseitig in Rechnung stellen und wie diese zustande kommen. Die Kommission hatte den Verdacht, dass Unternehmen ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen und zu hohe Preise verlangen. Im Juli 2004 und im Februar 2005 eröffnete die Behörde Verfahren auf dem deutschen und britischen Markt. Die Fälle sind noch nicht abgeschlossen.

Nun geht die Kommission einen anderen Weg und versucht in Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichtsbehörden, für mehr Wettbewerb zu sorgen. Die zuständigen Stellen aus den 25 EU-Staaten kamen bei einer Tagung im vergangenen Mai zu dem Schluss, dass nicht nur die Gebühren zu hoch seien, sondern Unternehmen bei möglichen Preissenkungen die Vorteile nicht weiterreichten. Außerdem seien die Tarife nur schwer zu durchschauen. Die nationalen Regulierer müssen nun nach Brüssel melden, mit welchen Maßnahmen sie die Missstände beheben wollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%