Mobilfunk in Japan
Und nebenbei ein Telefon

Elektronische Geldbörse und Fahrkarte, MP3-Spieler und nun auch tragbarer Fernseher: Das Handy entwickelt sich in Japan immer mehr zum Alleskönner. Das schafft neue Spieler, neue Allianzen und neue Kämpfe.

TOKIO. Wer durch die Fahrkartenschranken am Tokioter Hauptbahnhof geht, der hält seit kurzem einfach sein Handy an die Schranke – und automatisch wird der Fahrpreis für lokale Züge beim Ein- und Aussteigen abgebucht. Der Service, den die Bahngesellschaft JR East seit einem guten Monat anbietet, steckt zwar noch in den Kinderschuhen - nur Kunden, die eine JR-Kreditkarte haben, eines von zwölf ausgewählten Handymodellen und eine entsprechende Software installiert haben, können ihn nutzen. Doch ist es ein Beispiel mehr für die immer breitere Verwendung des Mobiltelefons im japanischen Alltag.

Die Infrastruktur für mobiles Bezahlen ist im Land des Lächelns bereits gelegt. Von den beiden größten Diensten für elektronisches Bezahlen von Kleinbeträgen - Suica und Edy – sind bereits mehr als 26 Millionen Karten ausgegeben. Das Portemonnaie mit einer solchen Karte darin muss der Kunde nur kurz über eines der Lesegeräte in immer mehr Läden oder Cafés halten. Dass es in Japan anders als in Deutschland keine EC-Karte zum Bezahlen von kleineren Beträgen gibt, fördert diese Prepaid-Karten, deren elektronische Basis, ein kontaktloser Chip, von Sony stammt. Handys mit einem solchen Chip heben die Zahlen seit einigen Monaten weiter an. Als nächster Schritt muss an einer Vereinheitlichung der unterschiedlichen Lesegeräte gearbeitet werden.

„Osaifu-Keitai“ – Geldbörsen-Handy – heißt der Trend in Japan. Vor allem Mobilfunkriese NTT Docomo setzt bei seinen neuen Modellen auf diese Zusatzfunktion und hat sich in Erwartung großer Dinge im vergangenen Jahr für umgerechnet eine fast dreiviertel Milliarde Euro bei der Kreditkartenfirma Sumitomo Mitsui Card eingekauft. Die Branchengrenzen verschwimmen.

Der zweitgrößte Mobilfunkanbieter KDDI setzt dagegen vor allem auf Musik in Form eines eigenen Musik-Distributionsservices und Handys mit integriertem MP3-Spieler. Mit einer Vier-Gigabyte-Festplatte passen auf das kürzlich vorgestellte Toshiba-Modell rund 2000 Lieder – klare Konkurrenz für die MP3-Spieler von Apple und Sony. Dem Branchendienst Eurotechnology zufolge dominieren Downloads auf Handys jene auf MP3-Spieler oder PCs in Japan bereits meilenweit. Docomo hat ebenfalls für das Musikgeschäft gerüstet und sich beim Musikhändler Tower Records eingekauft.

Multimediaangebote, darin sind sich Analysten einig, werden in der japanischen Handywelt weiter zunehmen. Denn ab Herbst dürfen japanische Kunden ihren Anbieter wechseln, ohne ihre Nummer zu ändern. Da gilt es, Kunden über Zusatzdienste an sich zu ziehen. Internet und E-Mail übers Handy ist bereits eine Selbstverständlichkeit in Japan. Und bei den Internetbrokern wird bereits mehr als jede zehnte Börsentransaktion Branchenschätzungen zufolge über das Handy abgewickelt.

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