Mobilfunk-Unternehmen
Nokia spürt wieder Rückenwind

Nokia scheint doch einen Fuß in den Smartphone-Markt zu bekommen. Die beiden neuen Modellen der Kollektion „Lumia“ beeindruckten auf einer Hausmesse. Das lässt auch Partner Microsoft wieder hoffen.
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LondonLange schon hat man bei Nokia-Managern nicht mehr so entspannte Gesichter gesehen wie während der eigenen Hausmesse „Nokia World“, die heute nach zwei Tagen in London zu Ende ging. Rund 3.000 Kunden, Analysten und Journalisten waren in das Konferenz- und Messezentrum ExCel in den Londoner Docklands gekommen, um die ersten Handys des einstigen Branchenprimus mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 zu begutachten. Und die Mission Comeback scheint geklappt zu haben: Die meisten Vertreter zeigten sich beeindruckt von den beiden in der britischen Hauptstadt präsentierten Geräte. „Das ist schon ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagte eine Sprecherin eines großen europäischen Telekom-Konzerns dem Handelsblatt.

Für den ins Schlingern geratenen Handy-Riesen sind Urteile wie diese überlebenswichtig, denn schließlich sind die Mobilfunkbetreiber die wichtigsten Kunden. Zeigen sie die rote Karte und bieten die Geräte nicht an, sieht es düster aus für den finnischen Konzern.

Doch Nokia hat in London seine Skeptiker überzeugen können. Die beiden neuen Windows-Handys Lumia 800 und Lumia 710 bestechen durch ihr gelungenes, striktes Design und die flüssige Integration des neuen Betriebssystems. „Das hier sind die ersten richtigen Windows-Handys“, verkündete der Nokia-Chef Stephen Elop stolz. Der Kanadier und ehemalige Microsoft-Manager ist erst seit einem Jahr an der Spitze des finnischen Konzerns und soll das Unternehmen nach strategischen Fehlentscheidungen wieder zurück auf die Erfolgsspur bringen. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg.

Nokia war mächtig ins Schlingern gekommen, weil der Konzern 2007, als Apple sein iPhone präsentierte, die enorme Faszination der intuitiven Bedienung auf dem Touchscreen völlig unterschätzt hatte und erst eineinhalb Jahre später ein Smartphone mit ähnlichen Bedienungsmöglichkeiten auf den Markt brachte. Das war zu spät, weil die Konkurrenten mit dem von Google entwickelten Betriebssystem Android eine Vielzahl von iPhone-ähnlichen Alleskönnern auf den Markt brachten.

Außerdem zeigte sich, dass das Nokia-System Symbian für viele Smartphone-Funktionen nicht geeignet war. Lag Nokias Handy-Weltmarktanteil vor zwei Jahren noch bei 40 Prozent, ist er jetzt auf unter 23 Prozent gesunken. Deshalb beschloss der ehemalige Microsoft-Manager Elop im Februar dieses Jahres einen radikalen Strategiewechsel: Künftig sollen alle Smartphones mit dem Windows-System arbeiten.

Mit der Präsentation des neuen Windows-Handys Lumia 800, das bereits in der kommenden Woche auf den Markt kommt, und dem kurz darauffolgenden Lumia 710 hat Elop das erste kleine Teilziel erreicht. Die schwierigsten Aufgaben warten allerdings noch auf ihn. Denn künftig muss er auch seinen ehemaligen Arbeitgeber Microsoft davon überzeugen, dass der das strikte Regelwerk für die Verwendung von Windows Phone 7 lockert. Bislang dürfen Lizenznehmer, also die Handy-Hersteller, die graphische Oberfläche des Bildschirms kaum verändern. Für Nokia wäre es mittelfristig überaus wichtig, seinen Kunden ein typisches Nokia-Gefühl zu vermitteln. Sollte Microsoft von einer Regellockerung nicht überzeugt werden können, droht den Finnen, dass deren Produkte sich nicht von denen der Konkurrenten wie Samsung und HTC unterscheiden lassen.

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