Mobilfunkbranche
Nokia will das Internet neu definieren

Die einst so wachstumsstarke Mobilfunk- und Handybranche stellt sich erstmals seit 2001 wieder auf magerere Zeiten ein. Und sucht nach neuen Einnahmequellen. Der Branchenprimus Nokia, mit einem Handy-Weltmarktanteil von über 38 Prozent, baut auf das Internet und weitet sein Produktsortiment mit einem neuen Alleskönner aus: dem N 97.

BARCELONA. Das N 97 vereinigt die von Apple beim iPhone eingeführte Touchscreen-Technik mit einer zusätzlich herausziehbaren Tastatur. Mit diesem Gerät würden "die Grenzen zwischen Internet, PC und Handy endgültig" aufgehoben, gab sich Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo bei der Vorstellung in Barcelona sicher. Tatsächlich hat das neue Gerät, das vermutlich ab Mai kommenden Jahres für rund 550 Euro ohne Subventionen erhältlich sein wird, alles, was sich der Handy-Benutzer wünscht: Ein mit 64 GB reichlich ausgestatteter Speicher, Fünf-Megapixel-Kamera, mit der sogar Filmaufnahmen in DVD-Qualität möglich sein sollen. Dazu ein 3,5 Zoll Display, das beim Berühren vibriert, sodass man selbst beim Tippen auf dem Bildschirm ein "Tastatur-Gefühl" hat.

Der Nokia-Chef prophezeite, dass bereits im ersten Quartal kommenden Jahres etwa 60 Prozent aller 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde ein Handy besitzen werden. Die meisten von ihnen würden durch die neuen multimedia-tauglichen Geräte erstmals in Kontakt mit dem Internet kommen. Deshalb will Nokia noch stärker als bisher auf das weltweite Netz setzen und dabei die Vorherrschaft von Google angreifen. "Wir werden das Internet neu definieren", sagte Marketing-Chef Anssi Vanjokki. Email für alle, soziale Netzwerke und immer ausgefeiltere Navigationslösungen sollen dem Konzern helfen, rückläufige Absätze bei Handys durch neue, zum Teil kostenpflichtige Dienste zu kompensieren.

Nokia meldete vor einem knappen Monat, dass man erstmals seit mehreren Jahren mit einem schrumpfenden Handy-Markt rechne. In diesem Jahr würden statt der bislang angenommenen 1,26 Milliarden Mobiltelefone nur etwa 1,24 Milliarden Geräte verkauft werden, prognostizierte der finnische Konzern und revidierte gleichzeitig seine Umsatzerwartungen nach unten. Auch das angesehene Marktforschungsinstitut Gartner geht mittlerweile von einem Absatzrückgang im kommenden Jahr von rund vier Prozent aus.

"Niemand kann sich der Krise entziehen", gab denn auch Nokia-Chef Kallasvuo auf der jährlichen Hausmesse "Nokia World" in Barcelona zu. Einen genaueren Ausblick will er allerdings erst am Donnerstag bei einem Analystentreffen in New York liefern. Nokia hat zwar die internationale Finanzkrise und den rasanten wirtschaftlichen Abschwung nicht vorhersehen können, dennoch stellte der Konzern bereits mit dem Amtsantritt des heutigen Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo vor zwei Jahren die Weichen für die neue Ausrichtung und damit auch neue Einnahmequellen.

Als Kallasvuo im Sommer 2006 das Ruder von Jorma Ollila übernahm, sollte es nicht lang dauern, und der neue Nokia-Boss bezeichnete seinen Konzern als "Internetunternehmen". Das Nokia-Portal Ovi, über das der Konzern Musik, Spiele, digitale Karten und soziale Chats anbietet, soll nur der Anfang der neuen Strategie sein. Nokia-Forschungsschef Henry Tirry sagte dem Handelsblatt, dass sein Konzern bereits Ende kommenden Jahres oder Anfang 2010 Geräte mit unterschiedlichen Sensoren anbieten werde, die beispielsweise Informationen über den Standort und die Fortbewegungsgeschwindigkeit an einen zentralen Server senden.

"So können wir deutlich bessere Verkehrsmeldungen geben als das bislang der Fall war", sagte er. Auf die neuen Zeiten ist Nokia durch unzählige Übernahmen gut vorbereitet: Größte Akquisition war bislang der Kauf des amerikanischen Herstellers von digitalen Karten, Navteq, für mehr als fünf Mrd. Euro.

Seite 1:

Nokia will das Internet neu definieren

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%