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Mobilfunker attackieren Festnetzpreise

Analysten sehen im UMTS-Zeitalter das Handy als Ersatz für das bewährte stationäre Telefon.

DÜSSELDORF. Die Terminwahl spricht Bände: Am selben Tag, an dem die Deutsche Telekom höhere Grundgebühren im Festnetz und niedrige Tarife für Ortsgespräche ankündigte, hat die Mobilfunkgesellschaft E-Plus ihre neuen Kampfpreise für Anrufe ins Festnetz veröffentlicht. Der Termin sei Zufall, heißt es dazu bei E-Plus, doch das Ziel ist klar: „Wir glauben, dass wir Festnetztelefonie langfristig überflüssig machen können und haben einen ersten Stein geworfen“, sagt E-Plus-Chef Uwe Bergheim.

Für Branchenkenner steht damit fest: Einige Mobilfunknetzbetreiber bereiten einen Angriff auf die Festnetzgesellschaften vor. „E-Plus ebnet den Weg für die Substitution von Festnetzanrufen durch den Mobilfunk“, sagt Frank Wellendorf, Analyst bei der WestLB Panmure in Düsseldorf. Es sei ein erster Test der Branche, die Festnetztelefonie frontal anzugehen. Diese Offensive werde allerdings frühstens Ende 2004 so richtig losgehen, wenn mit der neuen Technik UMTS mehr Kapazitäten zur Verfügung stünden, sagt Wellendorf. Markus Sander von Sal. Oppenheim ist etwas vorsichtiger: „E-Plus hat schon äußerst aggressive Tarife für Anrufe ins Festnetz – noch ist das aber kein Trend, der die gesamte Branche erfasst hat.“

Es sind in erster Linie die UMTS-Pioniere in Europa – die britische und die italienische Tochter von Hutchison Whampoa – und kleinere Mobilfunkgesellschaften, die Neukunden mit Billigangeboten für Gespräche ins Festnetz anwerben wollen. Denn diese Anbieter haben genug Luft in ihren Netzen – im Gegensatz zu den Marktführern wie T-Mobile und Vodafone. „Diese Unternehmen können sich keine Kapazitätsengpässe erlauben – dazu würde es aber unter Umständen in den Hoch-Zeiten kommen, wenn die Anbieter ihre Tarife ins Festnetz auf Dauer deutlich senken würden“, sagt der Telekomanalyst einer Londoner Investmentbank. Bei Gesellschaften wie T-Mobile käme noch ein Problem hinzu: Das Unternehmen, eine Tochter der Deutschen Telekom, würde seiner Festnetzschwester T-Com Konkurrenz machen.

Doch auch T-Mobile und Vodafone experimentieren bereits mit zeitlich befristeten Sondertarifen, die auch günstige Anrufe ins Festnetz einschließen. So können Vodafone-Kunden täglich abends eine Stunde lang zum halben Preis telefonieren. Bei T-Mobile gibt es einen Grundpreis, der ein Budget von 100 Gesprächsminuten für Anrufe ins Festnetz und das eigene Mobilfunknetz einschließt.

Dass die Rechnung aufgehen kann und Handy-Besitzer durchaus Festnetzgespräche durch Telefonate mit dem Mobiltelefon ersetzen, damit hat O2 bereits gute Erfahrungen gesammelt. Der kleinste Mobilfunker in Deutschland bietet seit Jahren ein spezielles Produkt an: Genion. Damit können Handy-Nutzer in einem bestimmten Bereich zu günstigen Festnetztarifen telefonieren. Genion trägt dazu bei, dass O2 in Deutschland die höchsten durchschnittlichen Umsätze pro Kunde erzielt. Und auch die Mehrzahl der Neuverträge geht auf das Genion- Konto. Nach Ansicht von Analysten bei BNP Paribas ist das ein „Killerprodukt“, um der Telekom Umsatz im Festnetz abzunehmen. Die britische O2-Schwester erwägt jetzt ebenfalls, das Produkt einzuführen und damit dem Festnetzkonzern BT Konkurrenz zu machen.

Wie viel Umsatz die Mobilfunkgesellschaften mit dieser Strategie auf sich ziehen können, dazu wollen Analysten noch keine Schätzung abgeben. Schließlich käme es darauf an, wie sich die Festnetzbetreiber dagegen wehren würden, heißt es in einer Studie von WestLB Panmure.

Dennoch hätten die Mobilfunkgesellschaften gute Aussichten, ihr Kundenwachstum mit Hilfe der Billigtarife anzukurbeln. Damit könnten die kleineren Mobilfunker ihren größeren Konkurrenten Marktanteile abjagen, sagt Wellendorf.

Quelle: Handelsblatt

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