Mobilfunknetzbetreiber beendet Streit mit Wiederverkäufern
O2 nutzt Mobilcom als Vertriebskanal

Der Mobilfunknetzbetreiber O2 beendet seinen jahrelangen Widerstand gegen die Zusammenarbeit mit Wiederverkäufern. Ab November wird Mobilcom Handy-Guthabenkarten von O2 anbieten, verlautete aus dem Umfeld der Beteiligten.

HB MÜNCHEN. Mobilcom werde damit zunächst zu einem weiteren Vertriebskanal für O2, später werde der Anbieter auch Laufzeitverträge verkaufen und dafür einen vollwertigen Mobilfunkdienstleistervertrag mit O2 abschließen.

Unternehmen wie Mobilcom haben kein eigenes Mobilfunknetz, sie vertreiben Produkte der Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und E-Plus. O2 hatte dies abgelehnt, da das Unternehmen mit den Konditionen nicht einverstanden war. Der Streit darüber mit Deutschlands größtem Mobilfunkwiederverkäufer Debitel landete sogar vor Gericht.

Dass Mobilcom jetzt als erster Dienstleister ein O2-Produkt anbieten wird, dazu wollten sich die Beteiligten offiziell nicht äußern. O2 - CEO Rudolf Gröger sagte dem Handelsblatt am Rande einer Mobilfunktagung in München lediglich: "Wir sind auf einem guten Weg, uns mit den Service-Providern zu einigen."

Hintergrund für das Umdenken bei O2 sind gesetzliche Auflagen für die neue Mobilfunktechnik UMTS. Bei der bereits etablierten Technik gab es diese Verpflichtung für O2 nicht. "Da UMTS nicht flächendeckend verfügbar ist, macht es keinen Sinn, reine UMTS-Produkte über Service-Provider anzubieten", sagte Gröger, "wir müssen ein Produkt anbieten, das überall funktioniert - so wie unsere Wettbewerber." Ansonsten würden die Kunden der Wiederverkäufer den O2-Konkurrenzangeboten den Vorzug geben.

O2 hatte Ende Juni 6,3 Millionen Kunden. Das Unternehmen will künftig sein Wachstum mit Hilfe neuer Vertriebskanäle ankurbeln. Daher verkauft der Kaffeeröster Tchibo seit Anfang Oktober Handy-Guthabenkarten von O2.

Stärkere Kooperation mit Musiksender Viva

Gröger plant den Aufbau weiterer Vertriebskanäle im ähnlichen Stil. "Wir wollen mehr solcher Kooperationen mit Unternehmen, die bereits einen Kundenstamm und eine Marke haben und uns helfen können, neue Kundengruppen zu erschließen", sagte der O2-Chef. Demnach will das Unternehmen verstärkt mit dem Musiksender Viva kooperieren, um auf diesem Weg besser jüngere Leute anwerben zu können. "Wir sind zudem auf der Suche nach einem Kooperationspartner, um das Publikum zwischen 50 und 60 Jahren gezielter anzusprechen", sagte Gröger.

Experten sehen vor allem bei kleineren Anbietern den Druck, solche Partnerschaften einzugehen - um ihren Marktanteil auszubauen, ihre Kapazitäten besser auszulasten und damit Kosten zu senken. Mobilfunknetzbetreiber, ihre Produkte und Vertriebsstrategien müssten sich stärker voneinander unterscheiden, um neue Zielgruppen zu erobern und sich nicht nur gegenseitig Marktanteile abzujagen, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Capgemini. Demnach vernachlässigen Mobilfunker beispielsweise den Wunsch der Kunden nach einfachen Produkten und günstigen Tarifen. "Dadurch könnten neue Zielgruppen erschlossen werden, zum Beispiel ältere Menschen", sagt Susanne Söffge, Telekommunikationsexpertin bei Capgemini. Sie sieht in der Zusammenarbeit von Mobilfunkern mit Unternehmen anderer Branchen noch einen weiteren Vorteil: Durch Kooperationen mit Anbietern aus der Konsumgüterindustrie könnten die "technologiegeprägten Netzbetreiber" ihre Defizite bei Marketing und Vertrieb ausgleichen.

Auch die Düsseldorfer Mobilfunkgesellschaft E-Plus, vor O2 die Nummer drei auf dem deutschen Markt, hat bereits eine Kooperation mit der Internet-Kommunikationsplattform Uboot vereinbart, um stärker junge Leute als Kunden zu gewinnen. Weitere Vereinbarungen könnten folgen - unter anderem mit dem schwedischen Telekomkonzern Tele2, heißt es in der Branche. Doch E-Plus sieht auch Grenzen für diese Kooperationen: "Mit den Tarifen, die unsere Partner anbieten, gewinnen wir zwar möglicherweise Marktanteile, setzen aber unsere operative Gewinnmarge unter Druck. Das müssen wir daher bei jeder Kooperation ganz genau austarieren", sagte Thorsten Dirks, bei E-Plus Geschäftsführer für Produktentwicklung und Innovation.

Seite 1:

O2 nutzt Mobilcom als Vertriebskanal

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%