Modellprojekt des BKA setzt auf Freiwillige
SMS hilft bei der Suche nach Straftätern

Verbrecherjagd per SMS – seit Beginn des Jahres setzt Deutschlands Polizei auf das Handy, um Straftäter dingfest zu machen. Kern des bundesweiten Modellprojekts des Bundeskriminalamtes (BKA) ist, bestimmte Bevölkerungsgruppen gezielt über eine Kurznachricht in die Fahndung einzubeziehen.

HB DÜSSELDORF. Die Mitarbeit ist freiwillig. Vor allem Personen, die sich berufsbedingt häufig im öffentlichen Raum bewegen, sind gefragt: Mitarbeiter des Personen-Nahverkehrs, Taxi- und Busfahrer oder städtische Hilfspolizeibeamte.Die ausgewählten Personen erhalten eine SMS auf ihr Handy, etwa mit der Beschreibung eines flüchtigen Bankräubers oder einer vermissten Person. Auch Kfz-Kennzeichen können in Sekundenschnelle weitergegeben werden. In den Polizeidienststellen war für die Benachrichtigung per SMS die Installation einer speziellen Software nötig. „Die Technik klappt hervorragend“, sagt Olaf Hary, Leiter des Führungs- und Lagezentrums der Polizei Karlsruhe. Allerdings wurde dort die Methode zunächst mit Privathandys von Polizisten erprobt.

Hintergrund ist die Bemühung, die Nahbereichsfahndung endlich auf einen modernen Stand zu bringen. Die Informationen werden parallel per Videotext veröffentlicht und auf der Web-Site des Bundeskriminalamtes Aufnahmen von Raubüberfällen gezeigt. BKA-Präsident Ulrich Kersten: „Ziel ist, unmittelbar nach einer Straftat alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen flüchtenden Straftäter zu ergreifen.“

Sicherheitsexperten wie Klaus- Dieter Matschke, Geschäftsführer der KDM Gesellschaft für Sicherheitsberatung in Frankfurt, begrüßen die Handy-Fahndung: „Sie greift sofort, weil sie die Leute auf der Straße stärker sensibilisiert.“ Zehn Polizeidienststellen zwischen Rendsburg und Traunstein testen das neue Fahndungsinstrument derzeit. Im Spätsommer will das BKA den Modellversuch abschließen und die Ergebnisse präsentieren.

Eine Zwischenbilanz hält Kai Küllmer, stellvertretender Pressesprecher des BKA, zwar noch für verfrüht. Er attestiert der Handy-Jagd aber eine gute Resonanz aus den beteiligten Direktionen. „In Rendsburg gab ein Fahrlehrer den entscheidenden Hinweis, um eine vermisste hilflose Person zu finden.“

Ob sich aus dem Modellversuch ein flächendeckender Einsatz entwickelt, werden jedoch weniger die Erfolge der Polizei als die Verantwortlichen für die Haushalte bei Bund, Ländern und Kommunen entscheiden. Denn: Die Massen-SMS der Polizeidienststellen kosten Geld – eine Handy-Nachricht schlägt mit immerhin 13 Cent zu Buche. Wer letztlich die Kosten trägt, muss noch geklärt werden.

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