MP3run von Philips
Digitaler Einpeitscher

An dem Tag, als der MP3run von Philips auf dem Redaktionsschreibtisch gelandet ist, sind mir schlagartig all meine Sünden des vergangenen Jahres wieder eingefallen. Jedenfalls die, die an den Hüften so unübersehbar ihre Spuren hinterlassen haben. Also nichts wie ran an das Lauftraining mit Musik und digitaler Leistungskontrolle.

HB DÜSSELDORF. Der diskusförmige MP3run ist ein Musikspieler mit einem fest eingebauten Speicher von 256 MB, auf den sich per USB-Kabel problemlos Musikdateien vom PC überspielen lassen.

Er verfügt über einen zusätzlichen Radiotuner, kommt mit wirklich schicken Bügelkopfhörern daher und wird in einer stabilen Gummihalterung am Arm getragen. Das an sich ist heute erst mal überhaupt nichts weiter Aufregendes. Solche Geräte gibt es mittlerweile wie Sand am Meer.

Die Besonderheit des immerhin fast 350 Euro teuren Philips-Players ist ein Bluetooth-Adapter, der am Sportschuh befestigt ist und kontinuierlich Laufdaten - Geschwindigkeit und Entfernung - an den MP3run überträgt. Und das mit einer erstaunlichen Genauigkeit, wie der diesmal wahrlich schweißtreibende Praxistest zeigte. Die Bedienung ist kinderleicht und intuitiv erlernbar.

Die Ergebnisse lassen sich nach der Rückkehr an den Schreibtisch auf den PC überspielen und archivieren. Im Laufe der Zeit, wenn man zum Beispiel immer dieselbe Strecke läuft, lässt sich so schön feststellen, ob und welche Fortschritte man macht. Aber sogar während des Laufs wird die bislang erzielte Leistung zur Aufmunterung auf Wunsch ins Ohr geflüstert.

Leider vergällt einem die mitgelieferte Software von Philips ziemlich den Spaß am MP3run. Man merkt dem Programm die geringe Erfahrung von Philips mit Consumer-Software deutlich an. Die Menüs sind zu klein, die Schrift ist Augenpulver, und die "Auswertungsmöglichkeiten" beschränken sich leider nur auf einfache grafische Auswertungen. Darüber hinaus gibt einem der MP3run auch keine Chance, seine Laufdaten zum Beispiel als Rohdaten exportieren zu lassen, etwa um eine eigene Excel-Datei oder ein Trainingsprogramm zu füttern. Wirklich schade! Darauf hätte Philips doch etwas mehr Sorgfalt legen können.

Für die Musikverwaltung kann man glücklicherweise auf das mitgelieferte Musicmatch zurückgreifen. Ein mittlerweile wirklich ausgereiftes Programm.

Die enge Gummihalterung schützt den MP3run sehr gut. Leider muss man ihn zum Anschluss an den PC jedes Mal mühsam aus dieser Halterung herauspellen. Eine kleine Öffnung da, wo sich der USB-Port - gleichzeitig auch Ladeanschluss für den Akku - befindet, hätte das erspart.

Am Klangbild des Players gibt es kaum was zu meckern. Und schon gar nicht, wenn er seinen Einsatzzweck erfüllt als Laufbegleiter. Zuhause macht er auf Grund der fehlenden Fernbedienung und ohne Digitalausgänge nur eine mittelmäßige Figur.

Fazit: Prima für alle, die einen digitalen Einpeitscher im Ohr haben wollen, um den inneren Schweinehund zu überwinden oder eine einfache Leistungskontrolle ihrer Laufaktivitäten suchen. Wer in erster Line einen leistungsstarken und vielseitigen MP3-Player sucht, zahlt hier aber zu viel.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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