MTS-Konkurrent Vimpel-Com kämpft gegen die Staatsmacht
Kampf um Russlands Mobilfunkmarkt

Der boomende russische Mobilfunkmarkt scheint jetzt auch den Weltmarktführer Vodafone nach Osten zu ziehen: Laut russischen Presseberichten sollen die Briten an der Übernahme der Mehrheit des größten osteuropäischen Handynetzbetreibers, der Moskauer Mobile Telesystems (MTS), interessiert sein. MTS-Aktien, die an der New Yorker Börse gelistet sind und in Deutschland gehandelt werden, stiegen daraufhin um 15 % auf ein Allzeithoch. MTS und Vodafone wollten die Marktgerüchte aber nicht kommentieren.

MOSKAU. Die von Moskauer Analysten auf 5,7 Mrd. $ geschätzte Übernahme von 50,4 % des MTS-Kapitals wäre besonders pikant, weil bereits der Konkurrent Deutsche Telekom dort Teilhaber ist. Allerdings hatten die Bonner zur Bekämpfung ihrer Schuldenlast im vorigen Jahr ihren Anteil von 49 auf 25 % reduziert. 51 % der MTS-Aktien hält seither die dem Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow nahe stehende Industrie-Holding AFK Sistema. MTS, mit fast 16 Mill. Mobilfunk-Kunden größter Netzbetreiber in Osteuropa, hat eine Marktkapitalisierung von 9,8 Mrd. $.

Der Gang nach Russland wäre für Vodafone nur logisch - wenngleich nicht ungefährlich: Denn gegen Russlands zweitgrößten Mobilfunker, Vimpel-Com, ermittelt derzeit die Telekom-Aufsichtsbehörde wegen angeblicher Lizenz-Verstöße. "Es wird unkorrekt mit uns umgegangen und Druck auf die Firma ausgeübt", kritisierte Vimpel-Com-Chef Alexander Izosimow im Gespräch mit dem Handelsblatt die Ermittlungen. "Durch diese Attacke leidet der gesamte Markt, das Land und sein Investmentklima." Bereits im Jahr 2000 war Vimpel-Com, an der der norwegische Mobilfunker Telenor 25 % hält, eine Lizenz einfach entzogen worden. Diesmal ging das Unternehmen vor Gericht. Das stoppte zunächst eine Verfügung der Behörden, derzufolge Vimpel-Com bis zum 1. Februar allen 5,7 Millionen Moskauer Kunden neue Verträge hätte ausstellen müssen.

"Eine Garantie, dass hinter der Attacke auf Vimpel-Com keine persönlichen Motive stehen, kann ich nicht geben", sagte Andrei Illarionow, Wirtschaftsberater von Russlands Präsident Wladimir Putin.

Die Auseinandersetzung ist Teil der Schlacht um Russlands Telekom-Markt: So sollen noch in diesem Jahr weitere Anteile des Festnetz-Monopolisten Svyazinvest privatisiert werden, an dem der US-Investor George Soros bereits 25 % hält. Zudem übernehmen nicht nur MTS und Vimpel-Com immer mehr regionale Netzbetreiber, sondern mit Megafon drängt auch ein dritter nationaler Wettbewerber auf den Handymarkt. Wie an Vimpel-Com ist daran auch die Alfa-Gruppe des Oligarchen Michail Fridman beteiligt, und nach Branchengerüchten soll auch die Ehefrau des russischen Präsidenten, Ljudmila Putina, Megafon-Anteile halten.

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