Multifunktionsgerät für Soldaten
Der iPod zieht in den Krieg

US-Soldaten im Irak nutzen Apples iPod touch als Werkzeug für den vernetzten Krieg. Mit dem Gerät können sie mit Kameraden, anderen Truppenteilen oder dem Geheimdienst kommunizieren, aktuelle Daten über ihren Standort abrufen oder Geschossbahnen berechnen.
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BERLIN. Militärische Aufklärung kann für Soldaten im Einsatz überlebenswichtig sein. Satelliten und unbemannte Flugzeuge, die hochaufgelöste Bilder vom Geschehen auf der Erde liefern, sind daher längst zum unverzichtbaren Bestandteil der Kriegsführung geworden. Doch wie können die Daten den Soldaten auf dem Boden zur Verfügung gestellt werden?

Das US-Militär hat dafür eine ganz eigene Lösung gefunden, berichtet das US-Nachrichtenmagazin Newsweek: Es setzt beliebte mobile Endgeräte als Werkzeug für die vernetzte Kriegführung – den iPod touch und, in geringerem Maße, das iPhone.

Die iPods haben eine Reihe von Vorzügen, die sie für den Einsatz beim Militär qualifizieren: Sie sind günstiger als Geräte, die extra für militärische Zwecke entwickelt werden - nicht zuletzt, weil die Entwicklung nicht mit Steuergeld finanziert werden muss. Sie verfügen über die nötigen Schnittstellen für die Kommunikation, und für die Geräte stehen mehrere tausend Applikationen zum Herunterladen bereit. In einer Schutzhülle verpackt sind sie auch robust genug für den Einsatz im Feld. Schließlich erfreuen sie sich großer Beliebtheit bei den Soldaten, die die Geräte oft kennen und wissen, wie sie bedient werden.

Neben den zur Verfügung stehenden Applikationen lässt das US-Verteidigungsministerium auch eigene entwickeln. Etwa das Übersetzungsprogramm „Vcommunicator“ vom Unternehmen Vcom3D. Vcommunicator beherrscht Arabisch, Kurdisch sowie zwei afghanische Sprachen in Wort und Schrift. Mit Hilfe des Programms BulletFlight des US-Waffenherstellers Knight's Armament können Scharfschützen die Flugbahn ihres Projektils berechnen.

In der Entwicklung sind derzeit Programme, mit denen sich die Soldaten Bilder von Drohnen auf dem Gerät anzeigen lassen können, und ein Videokonferenzsystem zur Kommunikation mit Kameraden oder Geheimdienstmitarbeitern. Das Rüstungsunternehmen Next Wave Systems schließlich entwickelt eine Software, mit der Soldaten Informationen über ihren aktuellen Standort aus einer Datenbank abfragen können.

Dazu fotografieren sie ein Straßenschild und laden es hoch. Aus der Datenbank erhalten sie dann Informationen, die ihre Kameraden über diesen Ort gesammelt haben, etwa ob dort Sympathisanten oder Gegner der US-Truppen leben oder Informationen über die Trinkwasserqualität. Nach Abschluss ihrer Mission können sie den Datenbankeintrag mit ihren eigenen Erkenntnissen ergänzen.

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