Musik-Handys
Konkurrenz fürs iPhone auf dem Weg

80 Prozent aller heute verkauften Mobiltelefone können auch Musik abspielen - doch die Menschen nutzen lieber MP3-Player. Alle bisherigen Versuche, Apples dominierende Kombination aus dem iPod und der iTunes-Software vom Thron zu stoßen schlugen fehl. Jetzt, mit dem ersten iPod-Handy iPhone am Horizont, geht der Kampf um die Ohren in eine neue Runde.

dpa BARCELONA. Das Unternehmen Omnifone hat sich die Unterstützung führender Plattenfirmen und wichtiger Mobilfunk-Betreiber gesichert und will sich zu Nutzen machen, dass das Handy zumindest potenziell das meistverbreitete Musikabspielgerät ist.

Mit dem Dienst Musicstation soll man für 2,99 Euro die Woche uneingeschränkt Musik aus dem Firmenkatalog auf dem Handy hören können - ein Abo-Modell also, mit dem in bisherigen Versuchen Apples Dominanz nicht aufgeknackt werden konnte. Doch Omnifone-Chef Rob Lewis verweist auf die theoretische Kundenbasis von 690 Mill. Nutzern in 40 Ländern bei 23 teilnehmenden Mobilfunkanbietern. Apple verkaufte in gut fünf Jahren 70 Mill. iPods.

Bei der Vorstellung des Dienstes auf der Mobilfunkmesse 3gsm wurde auch deutlich, dass das iPhone als Hauptrivale gesehen wird. „Wir werden sicherstellen, dass wenn das iPhone nach Europa kommt, die große Mehrheit der Europäer bereits eine Wahl haben wird“, gab Lewis das Ziel vor. Das iPhone soll im Juni in den USA und Ende des Jahres in Europa und Asien starten. 2008 will Apple zehn Mill. Geräte absetzen. Musicstation soll in Europa und Asien bereits im zweiten und dritten Quartal an den Sender gehen.

Lewis trägt mit seinen Worten zugleich zu einem Phänomen der diesjährigen 3gsm bei: Apple ist nicht dabei und folglich wird das iPhone auch nicht gezeigt, doch es ist trotzdem präsent, weil alle sich dazu äußern. Obwohl es letztlich um ein Gerät geht, das noch kaum jemand in der Hand hielt und das gerade einmal einen Anteil von einem Prozent am Handy-Weltmarkt haben soll.

So verweist Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo darauf, dass die Telefone des Weltmarktführers eigentlich bereits alles könnten, was Apples erstes Handy zu bieten hat. Ein AMD-Manager sagt bei der Vorstellung neuer leistungsstarker mobiler Prozessoren, es wäre doch schön, wenn Apple sie vielleicht für die nächste iPhone-Generation haben wollte.

Nach Ansicht des Chefs des Blackberry-Betreibers RIM, Jim Balsillie, hat Apple mit seiner iPhone-Ankündigung der Branche einen großen Gefallen für die Akzeptanz von Musik auf dem Handy getan hat. Er glaube allerdings, dass es einfacher sei, Musikplayer-Funktionen in ein Smartphone wie den Blackberry zu integrieren als ein Mobiltelefon rund um einen ipod aufzubauen. Und Microsoft-Vizepräsidentin Suzan Delbene meint etwas schnippisch, man müsse erst einmal sehen, schließlich sei noch kein einziges Handy verkauft worden.

Microsoft versucht unterdessen weiterhin, einen alternativen Standard für Musik auf dem Handy durchzusetzen und experimentiert mit Begriffen rund um das Wort „Play“. Vor einigen Jahren wurde die Marke „Plays for Sure“ eingeführt, die das Abspielen von Musik aus verschiedenen Online-Shops auf Geräten diverser Hersteller gewährleistet. Sie schlug nicht so recht ein, und nicht einmal Microsofts erster eigener Musik-Player, Zune, der im November erschien, unterstützt sie. Nun gibt es einen neuen Versuch mit „Playready“. Die neue Microsoft-Technologie soll den Nutzern auch erlauben, Musik oder Videos zwischen ihren verschiedenen mobilen Geräten zu verschieben. Die Netzbetreiber Telefónica, O2, Verizon und AT & T seien bereits als Partner gewonnen worden, heißt es.

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