Navigon gegen Skobbler
Kriegszustand in Naviland

Schlammschlacht in Apples Appstore. Als Aldi unter den Navigationsanbietern hat der Neuling Skobbler mit Dumpingpreisen von knapp zuletzt acht Euro für seine Navigationssoftware den iPhone-Markt im Handstreich erobert. Marktführer Navigon, dessen günstigste iPhone-App fast 70 Euro kostet, tobt – und fordert von Apple, die Software aus dem Programm zu nehmen.
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DÜSSELDORF. Er moniert Urheberrechtsverletzungen und will, dass Apple die Software aus dem Shop wirft. Skobbler senkt daraufhin provokativ den Preis noch einmal um knapp 40 Prozent. Die Fronten sind verhärtet. Das Pikante: Hinter Skobbler steckt niemand anderes als der Navigon-Gründer und derzeitiger Navigon-Aufsichtsrat Peter Scheufen.

Navigon hat Apple nach dem Handelsblatt vorliegenden Informationen schriftlich aufgefordert, die Skobbler-Software wegen angeblicher Copyright-Verletzungen unverzüglich aus dem Appstore zu verbannen. Apple erklärte auf Anfrage, dass man zu Kundenbeziehungen grundsätzlich keine Auskünfte gebe. Navigon-Vorstandschef Egon Minar räumte auf Anfrage des Handelsblatts nur ein, dass es "Unstimmigkeiten hinsichtlich einiger Details des Transfervertrags von Skobbler gebe", die "derzeit geklärt" würden. Die Skobbler-Gründer hatten das Projekt 2008 von Navigon bei ihrem Ausscheiden übernommen. Darüber hinaus könne man keinerlei Angaben machen, so Minar. Markus Thielking, Mitgründer von Skobbler, bestätigte telefonisch, dass man vor dem Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung gegen das Vorgehen Navigons erwirkt habe. Die Software werde also auch weiter im Shop erhältlich sein.

Mit einem Kampfpreis von 3,99 Euro für eine vollwertige Navigation mit Kartenmaterial sicherte sich ab 13. Oktober Skobbler den Spitzenplatz aller Appstore-Verkaufschartss, den bis zu diesem Zeitpunkt noch Navigon inne hatte. Navigon für iPhone gilt als die profitabelste Applikation im 100 000 Programme großen Appstore überhaupt. Schon die preiswerteste Variante kostet 69 Euro, ein ertragsstarker Leuchtturm in einem Wust von Einfachstsoftware zwischen kostenlos und ein paar Euro in Apples Softwarebauchladen.

Nach dem Verkaufsstart von Skobbler ging Navigons iPhone-Absatz nach Handelsblatt-Informationen praktisch in den freien Fall über, was Vorstand Minar so jedoch nicht bestätigen will. Aber "entsprechende Umsatzeinbußen in der deutschen Version" hätte man schon verzeichnen müssen, räumt er ein. Die später auf 7,99 Euro angehobene Skobbler-Software ist zwar deutlich simpler gestrickt als das Navigon-Paket, hat eine schlechtere Grafik und auch sonst so ein paar Macken, wie so manches negative Rating im Apple Softwareshop nahe legt. Aber man kam von A nach B zu einem unschlagbaren Preis. In wenigen Wochen war das Tool angeblich über 30 000 mal verkauft worden.

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  • Kartendaten sollten immer "frei" sein. Deshalb wird m.E. letztendlich ein OpenSource Projekt wie OpenStreetMap gewinnen, da einerseits dort die "Arbeitskräfte" nicht bezahlt werden müssen und andererseits die Daten von dir und mir immer auf dem neuesten Stand gebracht werden werden (siehe aktuelle Haiti-Karte dort). Lizenz Probleme wird es ebenfalls nicht geben, da aller Voraussicht nach als Grundlage die Open Database License (ODbL) gewählt werden wird - das heißt, jeder Mensch und jede Firma kann diese Daten frei nutzen, ohne Lizenzgebühren zahlen zu müssen.

  • @Norbert
    will ja hier nicht als Oberlehrer auftreten, aber wenn Sie schon eine Rechnung aufmachen dann bitte auch unter richtigen Voraussetzungen.
    Zitat Artikel: " in wenigen Wochen war das Tool angeblich über 30 000 mal vekauft worden".
    Also "wenige" Wochen bring ich ein Unternehmen mit 60mille schon durch...Es werden ja laufend neue Lizenzen verkauft. Wobei eine auch nur halbwegs realistische Schätzung mit den wenigen infos ohnehin nicht möglich sein dürfte...
    Und eine App für ab 69€, die im Endeffekt nur eine billige Portierung von der Navihardware aufs iphone darstellt, halte ich einfach für Wucher. Würde Navigon die App für 19,99 oder so anbieten würden sie sicher nicht dran bankrott gehen. Und ich denke dann würden sich Anbieter wie skobbler etc. gar keine Nische im Markt schaffen können.

  • Hallo Tom,

    vielleicht solltest du erst nachdenken bevor du sowas schreibst.

    ich mach dir mal eine kleine Rechnung auf:

    Die Lizenz kostet 4,99 € - das sind 4,05 € Netto - für ein Jahr. Wennman mal davon ausgeht, das sowohl Apple, als auch der Kartenanbieter daran mitverdienen wollen und als beispiel jeweils 1 € abbekommen von dem Preis bleiben dem hersteller also Pro Lizenz 2,05 €. 30000 Lizenzen wurden verkauft - macht 60.000 € grob über den Daumen gepeilt - könntest du davon ein Unternehmen ein jahr lang am Leben halten? Einen stab von Programmierern, die das Produkt weiterentwickeln, +bürokräfte ect. bezahlen, denn das mußt du dann ja davon tun...

    Nein, das hat nix mit marktwirtschaft zu tun sondern einfach mit - da will jemand marktanteile kaufen und nutz die billigheimer Manier der Kunden aus, die nicht darüber nachdenken, daß das eben nicht gut sein kann für unser aller Zukunft, wenn alteingesessene Firmen, die halt durch höhere Personal- und Strukturkosten von diesen billigpreisen nicht leben können, dadurch in die Pleite getrieben werden. Das kostet Arbeitsplätze und damit auch DEiN Steuergeld.
    ich will damit nicht sagen, das die Produkte der "großen" Hersteller nicht vielleicht ein bischen überteuert sein könnten - das kann gut sein, denn natürlich versuchen diese soviel wie möglich rauszuholen - aber dieser billigpreis ist in meinen Augen einfach unhaltbar um für ein gesundes Unternehmen sorgen zu können. Stell dir mal vor, was die mitarbeiter dort verdienen müßten im Monat, damit sich das rechnet^^

    Gruß
    N.

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