Netbooks an Schulen
Block, Bleistift, Mini-Rechner

Seit Jahren mühen sich Experten, Schüler mit Laptops auszustatten, doch bislang scheiterte die flächendeckende Versorgung an zwei Nachteilen: zu teuer, zu unhandlich. Mit den neuen billigen Netbooks könnte der Plan nun endlich Realität werden. An einem Bonner Gymnasium gingen die Schüler unlängst mit kleinen tragbaren Computern auf Schatzsuche.
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BONN. Zweite Schulstunde, Mathe-Unterricht, Geometrie: Die Schüler der Klasse 7 b des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in Bonn gehen auf Schatzsuche. Ab auf den Schulhof, jeder hat einen dieser neuen, tragbaren Rechner unterm Arm: ein handliches Netbook. Lehrer Nils van den Boom hat ein Luftbild vom Schulgelände aus dem Internet gezogen und es den Siebtklässlern auf ihre Mini-Rechner gespielt. Der Dachfirst des Schulgebäudes ist die Strecke AB, die Regenrinne der Turnhalle die Strecke CD. Mit einer Mathematik-Software stellen die Schüler ihre Berechnungen an. Wer Winkelhalbierende und Schnittpunkte richtig bestimmt, findet den Punkt, wo der Schatz auf dem Schulhof versteckt ist - und bekommt einen Schokoriegel.

Alles ziemlich spannend. "Mit dem Computer ist der Unterricht abwechslungsreicher", sagt Siebtklässler Alexander Paltzer. Seine Klassenkameradin Eva-Maria Rühenbeck stimmt zu: "Die Netbooks sind sehr praktisch. Sie sind klein und leicht, und man kann sie gut tragen."

Was an diesem Morgen an dem Bonner Gymnasium passiert, ist ein Experiment: Eignen sich die kleinen, tragbaren Computer für den Einsatz im Unterricht? Zur Verfügung gestellt hat die Geräte der Chiphersteller Intel. Angestoßen hat das Projekt Richard Heinen von "Schulen ans Netz", einem gemeinnützigen Verein, getragen vom Bundesbildungsministerium und der Deutschen Telekom. "Das ist der Unterricht, wie wir ihn uns vorstellen", sagt Heinen - nicht frontal, sondern projektorientiert, anschaulich und mit moderner Computertechnik als Hilfsmittel.

Jedem Schüler seinen Laptop - die Idee ist nicht neu. Schon vor einem Jahrzehnt stattete die Bertelsmann-Stiftung Pilotschulen mit Laptops aus. Seitdem gibt es immer wieder solche Initiativen. Doch über den Status von Vorzeigeprojekten sind die Bemühungen nie hinausgekommen. "An vielen Schulen ist das Thema Computer das Privathobby eines einzelnen engagierten Lehrers", erzählt Heinen. Von einer flächendeckenden Ausstattung mit Tragerechnern sind Deutschlands Schulen weit entfernt.

Kein Wunder, Notebooks hatten bislang zwei Nachteile: zu teuer, zu unhandlich. Geräte für deutlich mehr als 1 000 Euro und mit einem Gewicht von vier Kilogramm waren für Schulen oder Eltern kaum zu finanzieren und für Ranzen (und Rücken) der Schüler zu schwer. Doch seit der taiwanesische Computerhersteller Asus vor eineinhalb Jahren mit dem Eee PC eine neue Geräteklasse schaffte, hat sich das geändert. Kleine Geräte mit Neun- oder Zehn-Zoll-Monitor erobern seitdem die Elektronikmärkte, kaum größer als ein Buch, nur mit dem Nötigsten an Festplatte und Arbeitsspeicher ausgestattet - aber dafür mit 300 bis 400 Euro unschlagbar günstig und nur ein Kilogramm schwer.

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