Neues Ladegerät
Bakterien-Batterie fürs Handy

Eine neue Stromquelle für Handys haben Wissenschaftler aus Massachusetts entwickelt. Vorteil der Technik: Sie ist mobil, preiswert - und kann praktisch überall auf der Welt eingesetzt werden. Allenfalls im ewigen Eis könnte es zu Problemen kommen.

TT DÜSSELDORF. Woher kommt der Strom fürs Handy? Ganz klar: aus der Steckdose. Was aber tun, wenn die nächste Steckdose kilometerweit entfernt ist? Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben jetzt eine Lösung für dieses Problem gefunden: Sie entwickelten ein Handy-Ladegerät, das seinen Strom von Bakterien erhält. Die Organismen produzieren die Energie beim Verzehr von pflanzlichen Abfällen.

Ausgangspunkt für das Forschungsteam um Gerardo la O' war die Überlegung, dass funktionierende Handynetze eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung in Entwicklungsländern bilden. Doch in Ländern wie Uganda, wo weniger als ein Prozent der Bevölkerung an ein öffentliches Stromnetz angeschlossen sind, scheitert der Betrieb eines Mobiltelephons oft schon an der simplen Frage, woher das Ladegerät seinen Strom beziehen soll.

La O' und seine MIT-Kollegen nutzten für ihr Ladegerät die Eigenschaft von Bakterien, beim Verzehr von organischem Material Elektronen freizusetzen. Als Teil einer speziellen Batterie liefern die Einzeller so die nutzbare Energie zur Stromproduktion. Als "Futter" dient den Einzellern dabei Zellulose, der Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände.

Das Prinzip solcher Bakterienbatterien ist seit einigen Jahren bekannt, an der Anwendung wird derzeit intensiv geforscht. So präsentierte Sony im vergangenen August den Prototyp eines MP3-Player mit Bakterien-Batterie. Neu an der MIT-Entwicklung ist jedoch die Nutzung von simpler Zellulose als "Betriebsstoff". Damit lassen sich auch einfache Pflanzenabfälle nutzen, wie sie gerade in ländlichen Gebieten im Überfluss vorhanden sind.

Arbeiten müssen die Forscher allerdings noch an der Ladegeschwindigkeit. Derzeit dauert der Ladevorgang für ein handelsübliches Handy noch etliche Wochen. Durch Zusammenschalten mehrerer Batterien lässt sich die Zeit jedoch deutlich verkürzen. Zudem arbeiten die Forscher derzeit an der Verbesserung der übrigen Batteriebestandteile. Deren genaue Zusammensetzung ist aber noch ein Betriebsgeheimnis. Immerhin, laut la O' soll sich die Ladezeit nach Abschluss der derzeitigen Entwicklungsphase um den Faktor 100 verringern. Zudem ist die neue Technik preiswert: Gerade einmal zwei Dollar soll das Gerät in der Endfassung kosten.

Dem Unternehmen Dow Chemical war die neue Entwicklung immerhin einen Preis wert. Ende September gewannen la O' und seine Kollegen den von Dow Chemical ausgelobten Madmec-Kontest.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%