„Next Society“
Vitamin B für Ihr Smartphone

Sie wollten bessere Netzwerker werden. Deshalb hat ein deutsch-österreichisches Team in New York eine App gebaut, die ihnen dabei helfen soll.
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New YorkTrotz all der Großartigkeiten aus dem Silicon Valley wird man das Gefühl nicht los, dass sie etwas verrückt geworden ist, die amerikanische Tech-Industrie. Das ist auch dem TV nicht entgangen, wo man sich jüngst überall über die Geeks im Valley lustig macht. Und auch hinter diesem Witz, gerissen in Sitcoms im Massenfernsehen und in der neuen HBO-Serie „Silicon Valley“, steckt auch ein Korn Wahrheit: Jedes noch so belanglose Start-up will das nächste Facebook-Google-Twitter werden, und verkauft sich mit überzogener Weltverbesserungsrhetorik.

Bei Alexander Tange, einem Thüringer, gibt's von alldem nichts. Er hat zwar ein prima Produkt gebaut, doch er verkauft es mit deutscher Bescheidenheit und Gründlichkeit. Er will nicht das nächste Google-Twitter-Facebook werden. Er will einfach ein Problem lösen, das Berufstätige heute haben. „Wir wollen Menschen helfen, bessere Networker zu werden.“ Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Eine Siri für Networking

Tanges App, „Next Society“, legt eine Schicht Intelligenz auf Ihr Profil bei LinkedIn, dem Business-Netzwerk. Die App zieht daraus Informationen und serviert sie Ihnen in Form von 150 Kreisen mit Profilfotos Ihrer Kontakte, geordnet nach Relevanz und versehen mit Hinweisen.

Mit welcher Person sollte ich mich mal wieder zum Lunch treffen? Mit welcher ein kurzes Hallo austauschen?

Denn das Problem heute sei, dass wir eine Menge Kontakte haben und sie ungenutzt im Netzwerk liegen lassen. „Die Quantität der Kontakte ist heute da. Doch die Qualität fehlt", sagt Tange.

Alles funktioniert gut in einem kurzen Test der noch unfertigen App. Da sind die Kontakte, mit denen Sie am meisten gemein haben — die App nimmt gemeinsame Interessen oder Orte als Indikatoren. Rote Punkte geben Hinweise, wo Sie handeln sollten. Direkt aus der App können Sie dann eine LinkedIn-Nachricht verschicken. Später erinnert Sie sie, wenn es Zeit für den nächsten Schritt ist, ein Treffen beispielsweise.

„Wir wollen die Assistentin für Netzwerker sein“, sagte mir Tange bei einem Gespräch im New Yorker Büro der Firma, in einem Hochhaus zwischen Central Park und East River. Nachdem ich die App beispielsweise über meine Zürich-Reise informiert habe, tat sich eine ganze Reihe neuer „Networking-Möglichkeiten“ auf – unter den vorgeschlagenen Profilen waren hier allerdings auch sehr viele sehr gut Bekannte.

Launch in New York

Tange ist vor sieben Jahren in die USA gezogen, um zu studieren, und hat dann beim Berater Ernst&Young gearbeitet, wo er auch seine Co-Gründer kennen gelernt hat. Bei einem Kaffee sei die Idee entstanden, kurze Zeit später haben sie angefangen, die App zu bauen, und vor einem knappen Jahr haben sie ihre hochbezahlten Jobs an den Nagel gehängt.

Mit ein paar hundert Tausend Dollar an Investments und fünf Mitarbeitern brachten die drei Gründer die App an den Start und präsentieren sie nächste Woche an der New Yorker Konferenz des Blogs TechCrunch und der Welt im AppStore. (Sie können die App schon jetzt herunterladen — allerdings noch in einer unfertigen Version.)

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Die App googelt für Sie

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