Panne in den USA
Blackberry-Postfächer blieben für Stunden leer

Ein Systemausfall hat am Dienstag und Mittwoch die Nutzung der populären Taschencomputer von Research in Motion (RIM) massiv beeinträchtigt. Der E-Mail-Verkehr via Blackberry lag in Nordamerika über mehrere Stunden lahm. Die Aktien des kanadischen Anbieters gaben daraufhin zeitweise um mehr als zwei Prozent nach. Analysten sehen durch den Vorfall bereits die Konkurrenten des Marktführers bei mobilen Maillösungen gestärkt.

leo/tor NEW YORK. „Ich fühle mich wie gelähmt“, sagte Chris Preuss gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Pressesprecher des US-Autobauers General Motors (GM) war zum Zeitpunkt der Systemstörung in China unterwegs und hatte durch den Blackberry-Ausfall keinen Mail-Kontakt mehr zur Unternehmenszentrale in Detroit. So wie Preuss ging es am Mittwoch vielen. Blackberry-Nutzer in Europa und Asien waren von der Störung allerdings nicht betroffen, wie Sprecher von T-Mobile und Vodafone erklärten. „Unsere Blackberry-Server stehen in Großbritannien und laufen absolut stabil“, hieß in der deutschen Vodafone-Zentrale.

Der E-Mail-Verkehr habe in den USA dagegen nur unregelmäßig oder mit Verzögerungen funktioniert, teilte der kanadische Hersteller mit. Für die meisten Nutzer sei das System in der Nacht zum Mittwoch aber wieder hergestellt worden. Das Blackberry-System werde jetzt genau kontrolliert, um den normalen Service aufrecht zu erhalten, hieß es. Die Ursache werde noch untersucht.

Nach Ansicht von Philipp Bohn, Analyst bei Berlecon Research, verdeutlicht der Ausfall die Achillesferse des populären Blackberry-Dienstes: dessen Architektur. Der E-Mail-Versand auf mobile Endgeräte wird von Research in Motion zentral über so genannte „Network Operation Center“ in den USA, Europa und Asien gesteuert. Fällt eine dieser Relais-Stationen aus, ist gleich eine ganze Region vom Dienst abgeschnitten. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat in der Vergangenheit bereits Sicherheitsbedenken bezüglich der zentralistischen Server-Architektur des Blackberry-Dienstes geäußert. Lösungen, die im Unternehmensumfeld installiert werden, seinen langfristig wohl besser aufgestellt, sagt der Berlecon-Experte.

Für RIM ist die technische Panne daher nicht nur ein Imageproblem. Warten Konkurrenten wie Microsoft, Nokia, Palm und Sybase doch nur darauf, den Kanadiern Kunden abzujagen. In den USA verfügt RIM nach Angaben der Beratungsfirma IDC immerhin über einen Marktanteil von 45 Prozent bei Business-Telefonen mit mobilem E-Mail-Empfang.

E-Mail-Push-Dienste wie der von RIM leiten die elektronische Post, sobald sie im Brieffach eintrifft, automatisch an das mobile Gerät weiter. Der Blackberry machte die sogenannten Push-Mails erst polulär. 1999 startete RIM in den USA, seit September 2001 sind die Geräte auch in Europa erhältlich. Nach Unternehmensangaben gibt es aktuell rund acht Millionen Blackberry-Nutzer weltweit. Vodafone, T-Mobile und O2 bieten in Deutschland Blackberrys an. Mittlerweile lässt sich die Technologie auch in andere Telefone und PDAs integrieren.

Doch in jüngster Zeit bläst dem Marktführer immer mehr Wind ins Gesicht. Neben dem Debatten um die Sicherheit der Daten auf den zentralen Rechnern und Patentstreitigkeiten in der Vergangenheit hat die US-Börsenaufsicht SEC in diesem Monat wegen falsch verbuchter Aktienoptionen formelle Ermittlungen gegen das Unternehmen eingeleitet. Wirtschaftlich steht RIM dagegen gut dar. Im ersten Quartal hat das Unternehmen 187,9 Mill. Dollar verdient.

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