Perry Rhodan
Der Star von hinterm Mond

Neil Armstrong war 1969 der erste Mensch auf dem Mond? Falsch! Acht Jahre vor dem Nasa-Astronauten landete bereits ein deutscher Raumfahrer auf dem Erdtrabant. Sein Name: Perry Rhodan. Nun soll der Romanheld in neue Sphären fliegen.
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KÖLN. Helmut knautscht die Lippen, als wolle er das gesamte Weltall leer saugen. "Norbert", sagt Helmut. "Norbert, das weißt du doch bestimmt." Norbert knittert die Stirn und blinzelt durch die Metallbrille. Neun Augenpaare richten sich auf den 48-Jährigen mit dem Schnäuzer. Über dem Tisch in der Kölner Eckkneipe schwebt, wie ein Raumschiff im Orbit, die Frage nach dem entscheidenden Ereignis, das die zehn Grauköpfe auch an diesem Samstagnachmittag wieder zusammengeführt hat: Wann also hat ihr Held Perry Rhodan, Deutschlands dienstältester Weltraum-Star, die Weihen der Unsterblichkeit empfangen? "Das muss Band 19 gewesen sein", sagt Norbert und rattert die entsprechende Textpassage herunter. "Ich bin das Brain", schiebt er hinterher.

Band 19 der größten Science-Fiction-Groschenromanserie des Planeten erschien irgendwann in den frühen 60er Jahren. Seit Freitag liegt Heft Nummer 2500 der Saga am Kiosk. Stapelt man die Perry-Gesamtauflage von mehr als einer Milliarde verkauften Heften übereinander, reicht der Turm bis zum Mond. Die Leser allerdings, die sich für den deutschen All-Heroen begeistern, dessen Karriere 1961 mit einer Mondlandung begann, sie werden immer älter, die Auflage sinkt und sinkt.

Pünktlich zum 40. Jubiläum der Mondlandung von Rhodans Nachahmer Neil Armstrong, die sich heute jährt, soll es nun endlich wieder aufwärtsgehen. Der Pabel-Moewig-Verlag in Rastatt bei Karlsruhe, der Perry Rhodan durch die Galaxien schickt, jagt seinen Helden mit dem Jubiläumsheft auf den bisher sehr fernen Planeten namens Multimedia. Ab sofort gibt es Perry Rhodans Abenteuer wöchentlich auf dem iPhone - damit sich auch endlich jüngere Leser ins Perryversum trauen.

iPhone? Echte deutsche Scifi-Fans halten von solch modischem Schnickschnack naturgemäß nichts.

An jedem zweiten Samstag im Monat passen die unendlichen Weiten des Alls auf 80 holzgetäfelte Kneipenquadratmeter. Dann versammeln sich Norbert, Helmut und bis zu 15 weitere Fantasy-Fans zum Stammtisch in der Kölner Kneipe "Refugium". Bei Apfelschorle, Schwarztee und Kölsch diskutieren sie, was das Perryversum aktuell bewegt. Das neuste Heft, die neuste Fabeltechnik oder welcher der zehn Serienautoren auf den Mond geschossen gehört. Einige hier kennen sich seit über 30 Jahren.

Hajo kramt in seinem Rucksack und pflanzt den Wimpel mit Perry-Logo auf den Tisch - sonst ist das ja gar kein Stammtisch. Sagt er. "Ich war mal bei einem Star-Trek-Treffen", erinnert sich Norbert, der ihm gegenüber sitzt. Er müht sich, das AC/DC-Gewummer aus den Boxen zu übertönen. "Da saßen die alle in Uniform und redeten sich mit den Filmnamen an." Mr. Spock und so, grauenhaft. Die Kölner Terranier schütteln ihre Köpfe und kichern. Ihre Welt ist das nicht. Perry-Rhodan-Fans sind die Puristen unter Deutschlands Hobby-Astronauten: mit vollster Überzeugung dabei, aber mit sicherem Abstand zur Ekstase.

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