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Philologen: SMS sind auch positiv

Selbst Sprachwissenschaftler können der per Handy verschickten elektronischen Kurznachricht (SMS) etwas abgewinnen. Das so genannte „Simsen“ sei „eher positiv“ zu sehen, sagte der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Prof. Ludwig Eichinger, am Donnerstag bei der IDS-Jahrestagung in Mannheim.

dpa MANNHEIM. Früher sei immer die Befürchtung geäußert worden, dass weniger geschrieben werde. „In Wirklichkeit schreiben durch den Computer wesentlich mehr Menschen. Wer nie einen Brief schrieb, schreibt heute eine Mail oder eine SMS.“

Dass die SMS-Texte meist kurz sind, spiele dabei keine Rolle. Dies passe einfach zu der Kommunikationssituation. Von einem Verfall der Sprache könne man deshalb nicht sprechen. Wer allerdings nur SMS verfasse, werde vermutlich auch nie einen längeren Text lesen, sagte Eichinger. „Dagegen sollte die Schule etwas machen.“ Bei der Jahrestagung diskutierten mehr als 450 Fachleute aus rund 25 Ländern vier Tage lang über das Verstehen von Texten.

Nach Darstellung des IDS-Linguisten Hardarik Blühdorn nimmt die Fähigkeit der Schüler ab, Texte zu verstehen, während die Texte selbst immer komplizierter werden. „Da öffnet sich eine Schere“, sagte Blühdorn. „Wir leben in einer Welt, die immer komplexer wird, und wir haben Texte, die das spiegeln.“ Hinzu komme ein „Ausbildungsproblem“: Die Schüler gingen weniger mit Texten um, weil sie viele andere Medien wie das Fernsehen nutzen könnten. Dass deutsche Schüler beim Pisa-Vergleich mit skandinavischen Ländern weniger Textverständnis zeigten, führte Eichinger jedoch unter anderem darauf zurück, dass dabei Ankreuztests (Multiple Choice) verwendet worden seien, die in Deutschland kaum eine Rolle spielten.

Eichinger beklagte eine „Lücke im Grammatikwissen“ deutscher Schüler und machte dafür das gesunkene Interesse am Lateinunterricht verantwortlich. Der Grammatikerwerb sei im deutschen Schulsystem früher ans Lateinische gebunden gewesen, das eine „typisch Grammatik geleitete Sprache“ sei. Mit ihrer Hilfe hätten Schüler jene Kenntnisse erworben, die sie in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen angewendet hätten. „Diese Basis ist weg gefallen“, sagte Eichinger. „Eigentlich ist wenig dafür gekommen.“

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