Postinetts Teststrecke
Dem iPod an den Kragen

Sie lieben Design? Dann freuen Sie sich. Die Hatz ist eröffnet: Alle gegen einen heißt das Spiel, und es verspricht lustig zu werden - allerdings nur für die Konsumenten, nicht für die Hersteller. Denn die Preise dürften weiter fallen. Aber so ist das Leben.

HB DÜSSELDORF. Gejagt wird der Apple iPod, legendärer tragbarer MP3-Spieler mit Festplatte und elegantem Design. In seiner dritten Generation ist er das Maß aller Dinge und Kultobjekt für metroaudiophile Trendsetter und alle, die es (oder irgendwas Ähnliches) gerne sein wollen.

Herausforderer ist der Creative Jukebox Zen NX. Seit Anfang August in den USA erhältlich, kommt er im September für 349 Euro zu uns. Ein Testgerät mit 30 GB-Festplatte landete noch vor der IFA auf dem Redaktionstisch des Weekend Journal. 30 Gigabyte Speicher reichen für rund 750 Musik-CDs.

Das Warten lohnt sich. Der Neue im eloxierten Alu-Gehäuse ist in Länge und Breite fast unverändert, aber deutlich dünner als sein Vorgänger Jukebox Zen. Das Design ist eleganter, und er wiegt mit Akku 226 Gramm rund 40 Gramm weniger (iPod gut 200 Gramm). Mit Abmessungen von 76 x 113 x 22 mm schließt der NX also etwas zum schlanken iPod auf.

Die MP3-Spieler von Creative - PC-Nutzern durch ihre Soundkarten ("Soundblaster") bekannt - haben sich im Laufe der Jahre einen guten Ruf erworben. Entsprechend wenig gab es im Hörtest auszusetzen. Leider wurde der bislang mitgelieferte Nackenbügel-Kopfhörer durch simple Ohrstöpsel ersetzt (das sind die, die immer rausfallen). Der wahre Musikfreund würde aber sowieso beide gegen höherwertige Hörer austauschen.

Die Bedienung wurde vereinfacht und übersichtlicher, das Menü-Scrollrad an der Seite ist einer Wippe gewichen. Der fest montierte Akku des Vorgängers hat einem austauschbaren Energiespender Platz gemacht, der ohne übermäßigen Gebrauch von Sonderfunktionen für zwölf Stunden Musikgenuss reicht. An Auflösung und Anmutung des Displays hat sich leider nichts getan, da hat Leitwolf Apple doch mehr zu bieten.

Kräftig gefeilt wurde an der PC-Software des NX. Das Mediasource 2 genannte Paket ist bedienungsfreundlicher und umfangreicher geworden. Ob CDs brennen oder Musik für den Transfer zum NX vorbereiten, alles läuft unter einer Oberfläche, genauso wie die Verwaltung der Musikbibliotheken. Unterstützt werden Windows-Betriebssysteme und für den Datentransfer USB-Anschlüsse 2.0 und 1.1.

Erstmals ist die Jukebox jetzt auch nahtlos im Windows-Explorer integriert, sie taucht als normales Wechsellaufwerk im Explorer auf. Der Transfer von sonstigen Daten wie Powerpoint-Präsentationen, Fotos oder Dokumenten wird deutlich komfortabler. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen auch die Besitzer älterer Creative-Spieler die Software im Web herunterladen können.

Auf der Minusseite müssen immer noch fehlende Ausgänge (Line-out, Digital-out) für einen optimalen Anschluss des NX an eine Hi-Fi-Anlage vermerkt werden. Es geht anders, wie Creative selbst mit seiner Jukebox 3 schon früher bewiesen hat.

Fazit: Wer keine Lust hat, an der Ladentheke einen Apple-üblichen Preisaufschlag zu zahlen, findet im NX eine Alternative. In den USA war er zur Markteinführung bis zu 40 % billiger als der Apple-Erfolgsplayer. Von Qualität und Design her wird er jedenfalls seiner Herausfordererrolle gerecht.

Mit Erscheinen des NX dürfte auch der Ausverkauf des alten Zen einsetzen. Er ist zwar etwas wuchtiger, aber in puncto Musikgenuss ebenbürtig. Es lohnt sich für Preisfüchse, in Onlineshops immer mal wieder Ausschau zu halten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%