Postinetts Teststrecke
Dreidimensionales Knipsen

Plastische Fotografie ist bisher nur was für Tüftler, die viel Liebe und Know-how in ihr Hobby investieren. Fuji bietet nun erstmals ein massentaugliches Gerät an, dass allerdings noch einige Schwächen offenbart. Deshalb bleibt die Frage: Schafft die Finepix Real 3D den Massenmarkt?
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Die Finepix Real 3D W1 verfügt über zwei Objektive (je 35 - 105 mm), die im Augenabstand montiert sind. Die leicht versetzten Bilder werden per digitalem Bildprozessor zu einem überlagerten 3D-Bild zusammengeführt, das auf speziellen Displays einen räumlichen Eindruck ermöglicht. Das Gehäuse ist mit 260 Gramm ohne Akku ein echter Brocken. Die Bedienungsfelder auf der Rückseite links und rechts des kontraststarken 3D-Displays wirken überfrachtet, die Taster sind ungenau und schwer bedienbar. Integriert sind Mikrofon und einfacher Blitz.

Die 3D-Aufnahmen sind mit einigem Aufwand verbunden. Das Motiv muss genau ausgesucht, Positionierung von Vorder- und Hintergrund zueinander beachtet werden, sonst fehlt hinterher der räumliche Eindruck. 3D-Bilder im Querformat sind nicht möglich, Sportfotografie bei Belichtungszeiten von minimal 1/1000 Sekunden schwierig. Im Test war eines von zehn 3D-Fotos als gelungen zu bezeichnen. Nachtaufnahmen fehlte der Reiz, oft gab es im "Auto"-Modus Parallaxenverschiebungen, die zu Doppelbildern führten und sich nachträglich nicht korrigieren ließen. Der ambitionierte Fotograf macht sich beizeiten mit den üppigen manuellen Einstellungen vertraut, um schon bei der Aufnahme einzugreifen. Beruhigend: Im 3D/2D-Modus wird zur Sicherheit ein Foto in 2D mit auf die SD-Speicherkarte gebannt. Selbst wenn das 3D-Bild nur so flimmert, geht keine Erinnerung verloren. Fuji spielt nett mit den Möglichkeiten der Zwillingsoptik, in 2D lassen sich zum Beispiel gleichzeitig ein Weitwinkel- und Telebild schießen oder parallele Bilder mit verschiedenen Iso-Werten.

Nachteil: Die Raumbilder müssen auf einem Fuji-3-D-Bilderrahmen (349 Euro) betrachtet werden, der Export auf Computer-Monitor oder TV-Schirm ist nicht möglich. Profis ziehen sich Software wie Stereo Photo Maker aus dem Web und wandeln die ".mov"-Dateien in andere Formate um, die auf dem TV-Gerät mit 3D-Brille betrachtet werden können. Überraschend gut: der 3D-Videomodus. Damit lässt sich kein Avatar nachdrehen, aber es gibt effektvolle Clips, die sich in der neuen 3D-Video-Sektion von Youtube gut machen. Negativ: kein Standard-USB-Stecker auf Kameraseite, also Spezialkabel nötig. Fuji bietet einen 3D-Druckservice für Fotos, pro Bild werden derzeit leider rund fünf Euro verlangt.

Fazit: 3D-Fotos auf dem Weg zum Massenmarkt? Nein, noch nicht. Aber die Finepix Real 3D ist für 500 Euro ein technischer Leckerbissen für Freunde der 3D-Fotografie. Sie bekommen ein handliches Aufnahmegerät und müssen nicht mehr mit allerlei Hilfskonstruktionen zwei normale Kameras zusammenmontieren, synchronisieren und die Bilder von Hand zusammensetzen. Trotz einiger Limitationen hat der Test Spaß gemacht, und die Bilder, die gut wurden, haben ihr Publikum immer beeindruckt. Vielleicht braucht ja der Mann hinter dem Sucher mal ein ordentliches Update in Sachen Bildkomposition.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Postinetts Teststrecke: Dreidimensionales Knipsen"

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  • Finde den ansatz der idee sehr interessant, aber klar bei so einer kompakten bauweise - hat zwar vorteile augenabstand kann sicher erreicht werden aber da die optik "star" ist gib es natürlich parallax problem bei nah und fernaufnahmen. dazu müsste eine kamera sehr viel bewegliche mechanismen haben um sowas vollautomatisch zu machen und alles perfekt synchronisiert. Das würde eine kamera momentan noch gross machen, und sehr sehr teuer.
    Fotografiere selber professionell in 3D.
    Vielleicht hier ein blick wert, dazu werden aber umgebaute digitale SLR verwendet welche mit einem microcomputer auf milisekunden synchronisiert werden und auch mit einem blitz synchron auslösen:

    http://www.youtube.com/watch?v=wMaee-ZSfio

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