Postinetts Teststrecke
Googles Wolkenbüro im Test

Mit dem Chromebook wählt Google einen radikalen Ansatz: Ein Rechner, dessen Applikationen und Daten komplett in der Cloud gespeichert werden. Wir haben Googles Zukunftsvision auf Herz und Nieren getestet.
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San FranciscoSeit Anfang August ist Googles Chromebook bei uns im Handel, das erste Immer-Internet-Netbook. Weil das ein völlig neuer Ansatz ist, haben wir uns mehr Zeit genommen für einen längeren Test mit einem der ersten Modelle für den US-Markt. Lohnt der Umstieg in die Zukunft der Cloud, der immer präsenten Internetgemeinde?

Zur Hardware des getesteten Samsung Chromebook bleibt nicht viel zu sagen. Ein anständiger 12,1-Zoll-Bildschirm mit ausreichend hoher Helligkeit, ein Doppelkernprozessor Atom N570 aus der Mittelklasse mit integrierter Grafik, 2 GB RAM-Speicher und eine winzige Flash-Speicher-Festplatte mit 16 GB. Letztere bekommt allerdings auch kaum was zu tun oder zu speichern. Das Chromebook macht alles im Internet, holt fast alles aus dem Internet und speichert alles im Internet. Besonders krass macht das der USB-Port deutlich: Fotos von einer Digitalkamera etwa kann man vom USB-Stick in das Chromebook laden und bearbeiten, aber nicht wieder auf den USB-Stick überspielen. Das hat Google konsequent unterbunden. Der nervige Umweg über einen Webdienst wie Dropbox und einen zweiten PC ist nötig, um seine Dateien wieder aus dem Web herauszubekommen. Drucken? Ja, bitte, aber über Google-Netzwerkdrucker. Noch immer fehlt die versprochene Offlinefähigkeit der Bürosoftware Google Docs. Steht keine Onlineverbindung zur Verfügung, ist das Chromebook nur noch sinnlos. Immerhin erfreulich: Auf einem Transatlantikflug erübrigt sich schlicht die Frage, ob man arbeiten soll oder nicht. Es geht nichts, außer vielleicht Angry Bird spielen. Viele der sogenannten Chromebook-Apps sind nicht mehr als eine Verlinkung auf eine Webseite. Meine Lieblings-App zur Kommunikation fehlte ganz, Skype. Der angebotene Ersatz, ein Webservice namens IM+ erwies sich im Test als völlig unbrauchbar.

Für den Internetzugang stehen WLAN und in der teureren Version ein 3G-Modem für Mobilfunksurfen zur Verfügung. In Deutschland. Aufgrund der extremen Webabhängigkeit ist der Kauf der 3G-Version eigentlich Pflicht, genauso wie der Abschluss eines möglichst unlimitierten Datenplans. Das Test-Chromebook hatte pro Monat 100 MB kostenlosen Datenservice, der regelmäßig nach drei bis vier Tagen verbraucht war. Ein 5-GB-Plan bei Verizon kostet 50 Dollar pro Monat, das muss man auf den Kaufpreis eigentlich als Betriebskosten hinzurechnen. Nervig war im Betrieb ein ständiges leichtes Ruckeln bei Youtube-Videos oder Webseiten mit vielen Flashinhalten. Hier muss Google noch nachbessern. Absolut genial: Nach kaum acht Sekunden ist das Chromebook aus dem Stand hochgefahren und fertig fürs Arbeiten. Das hat was.

Fazit: Das Chromebook kann nichts, was ein normales Notebook nicht auch kann, offline kann es praktisch gar nichts und online kann ein Notebook dann wieder mehr. Es gibt eigentlich also keinen wirklich überzeugenden Grund für den Wechsel außer einer genialen Akkulaufzeit von über acht Stunden, einem blitzschnellen Start und tollen Bildschirm. In der Summe ist das zu wenig für rund 450 Euro in der 3G-Version. Aber Google könnte viele dieser Mängel ausbügeln, wenn, ja wenn man ein wenig kompromissbereit wäre.

Axel Postinett berichtet aus San Francisco für das Handelsblatt über Trends in Technologie und Technik.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Natürlich gibt es einen Grund, das Chromebook zu kaufen:Sicherheit! Malware auf chrome-os unterzubringen dürfte recht schwierig sein.

  • Natürlich gibt es einen Grund, das Chromebook zu kaufen:Sicherheit!

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