Postinetts Teststrecke: In Touch mit dem iPhone

Postinetts Teststrecke
In Touch mit dem iPhone

Wer ein Windows-Smartphone mit echter Touchscreen-Philosophie sucht, kommt an HTC nicht vorbei. Der Newcomer bringt mit dem "Touch Cruise" jetzt den ersten Spross seiner Mobile-6-Geräte mit Navigationsmodul auf den Markt und befindet sich damit auf einem guten Weg.

Die zweite Generation der Touch Flo-Technik robbt sich weiter an Apple heran. Bilder lassen sich jetzt auch mit einem Fingerwisch verschieben, vergrößern, durchblättern oder drehen. Auch Anruflisten, Musik oder E-Mails lassen sich so durchkämmen. Der bewährte "Cube" ist geblieben - vier Bildschirme mit Programmen, Favoriten und Menüs, die sich per Fingerwisch durchblättern lassen. Mehrfach-Bildschirme hat jetzt auch Apple auf dem iPhone eingeführt.

Man gewöhnt sich schnell daran, aber weiter gilt: Am Ende ist es beim HTC doch wieder Windows. Spätestens auf der dritten Ebene ist die gute alte Menüstruktur zurück. Symbole auf dem Bildschirm sind oft so klein, dass sie mit dem Finger kaum erreichbar sind. Dann muss der Touch-Pin her. Das gilt auch für die winzige Bildschirm-Tastatur. Das zentrale 4-Wege-Steuerrad mit Enter-Taste hilft bei der Navigation. Es ist aber sehr fein eingestellt, wodurch man schnell über das Ziel hinausschießt.

Das Gehäuse des Cruise (im Test ein Vorserienmodell) machte einen stabilen und wertigen Eindruck, der Bildschirm ist hell und kontrastreich. Die Sprachqualität wurde von Gesprächspartnern durchweg als gut bezeichnet, die Akkulaufzeit war mit einer Woche überzeugend.

Dank HSDPA werden Daten zügig runergeladen - um dann im unterirdischen Microsoft-Browser zu verenden. Surfen macht wenig Spaß mit dem Gerät. Der Browser ist zäh, normale Webseiten werden in unleserliche und kaum navigierbare Pixelwüsten zerfasert. Selbst im Querformat ist das Surferlebnis eher ermüdend. Die Möglichkeit, per Fingerbewegung durch Seiten zu scrollen, ist angenehm, rettet es aber nicht mehr. Manchmal dauerte es Sekunden, bis eine Reaktion auf dem Bildschirm erkennbar war. Hier wird klar, dass die Touch-Oberfläche auf den Explorer "draufgepappt" und nicht wie bei Apple tief im System integriert ist. Im "Cube"-Modus gab es keine spürbaren Verzögerungen beim Blättern.

Der E-Mail-Client funktioniert tadellos, Webdienste wie web.de oder Yahoo.de waren schnell installiert, Darstellung, Navigation per Touch Flo und Bearbeitungsmöglichkeiten sind auf der Höhe der Zeit. Neu ist die GPS-Funktion. HTC nutzt das integrierte GPS One-Modul im Qualcomm MSM720 Chipsatz. Was es mit der im Serienmodell dann vorinstallierten TomTom Navigator-Software wirklich leistet, werden wir uns in einem seperaten Test anschauen.

Fazit: iPhone klonen ist nicht schwer, iPhone sein dagegen sehr: HTC ist mit der zweiten Touch Flo-Generation auf dem richtigen Weg, aber noch Lichtjahre vom "Original" entfernt. Trotzdem ist das Cruise für Windows-Freunde derzeit die beste Wahl, um Apple-Feeling aufkommen zu lassen. Leider auch beim Preis. Sehr gut ist die Vollausstattung mit GPS und HSDPA. Auf dem Testgerät war MS Office Mobile installiert.

Tipp: Das Innenleben des HTC Touch Cruise ist identisch mit dem Xda Orbit2 von O2, das es mit Navigation für 500 Euro (ohne Vertrag) gibt. Wer an dem soften Runddesign des O2-Geräts gefallen findet, kann einen ordentlichen Euro sparen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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