Postinetts Teststrecke
Mit LG in die K(r)ampfarena

Das LG Arena sieht verdammt gut aus. Edles Metallgehäuse, glasbewehrter Touchscreen, hosentaschentaugliches Format statt Pizzablech-Maß wie beim iPhone. Aber hält der Koreaner im Inneren auch, was das Äußere verspricht?
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Das gute Gefühl bleibt nach dem Einschalten erst einmal bestehen. Die „S-Klasse“ genannte Bedienoberfläche kennt zwei Modi. Einer ähnelt mit vielen bunten Icons stark Apples legendärem iPhone-Desktop – so eine Überraschung aber auch. Der andere ist wie ein drehbarer Würfel gestaltet, von dessen Seiten die Bereiche Kontakte, Widgets, Media und Programmverknüpfungen per Fingerwisch hervorgeholt und ausgewählt werden. Die Seiten sind konfigurierbar, Menüunterpunkte oder Einstellungsreiter sind bedienungsfreundlich groß gehalten. Das sieht aus wie aus einem Guss.

Der Touchscreen punktet mit guter Auflösung und präziser Bedienung. Wenn es etwas ruckelt, liegt es am 400-Mhz-Prozessor, der manchmal überfordert wirkt. Mit einer Diagonale von drei Zoll liegt der Bildschirm an der unteren Grenze für eine virtuelle Volltastatur. Die Tastenfelder sind klein, und Vertipper gehören zur Tagesordnung. Das kann schon nerven. Vor allem Co-Testerinnen mit längeren Fingernägeln fluchten laut.

Bei der technischen Ausstattung wie HSDPA, Bluetooth, W-Lan, Musikplayer oder Organizer gibt sich das Arena keine Blöße. Was erwartet wird, ist da. Vereinzelt kam es zu Problemen mit Anwendungen. Bei Google-Maps war etwa trotz GPS-Chip keine Standortbestimmung möglich, der Musikplayer legte Playlists an, zeigte sie aber nie an. Youtube weigerte sich, Videos per W-Lan abzuspielen. Fehlermeldung: „Service nicht unterstützt“. Das kann nur ein schlechter Witz sein.

PC-Anbindung und Ladegerät übernimmt ein LG-eigener Systemstecker statt microUSB. Diese Eigenbrödlerei kann nicht oft genug kritisiert werden (ja, das gilt auch für das iPhone!). Der Kabelwust ist eine Verschwendung von Ressourcen und Geld. Außerdem ist man in Schwierigkeiten, wenn man auf Reisen ist und das Ladegerät zu Hause auf dem Küchentisch liegt.

Musik oder Videos überträgt die LG-eigene PC-Suite. Sie übernimmt auch den Outlook-Abgleich. Daneben wird lediglich „Windows Kontakte“ unterstützt. Die LG-Software überraschte manchmal mit skurrilen Fehlermeldungen, zum Beispiel ließen sich keine E-MailAdressen in Kontakte einfügen. Direkt in Windows-Kontakte angelegt, akzeptierten Software und Telefon hingegen die gleiche E-Mail-Adresse klaglos. Die Synchronisation mit Microsoft Mediaplayer (ab 11.0) klappt gut.

Eine Zumutung ist der Web-Browser. Das macht keinen Spaß. Langsamer und oft fehlerhafter Seitenaufbau, beim Testgerät waren keine Flash-Inhalte abspielbar. Erste Soforthilfe: Den Browser Opera mini in der Java-Version installieren (mini.opera.com). Er läuft vor allem mit W-Lan sehr ordentlich. Der E-Mail-Client von LG ist guter Durchschnitt.

Fazit: Ein neuer iPhone-Jäger im Stadion? Weit gefehlt. Aber das LG Arena ist ein top ausgestattetes Multimedia-Telefon mit coolem Design – und ein paar überhaupt nicht coolen Software-Schwächen und unbefriedigender Akkulaufzeit. Da muss LG schnell nachbessern. Ein Firmware-Update ist aber bislang nur vage angekündigt. Schade, denn erst dann stimmen Design und Leistung überein mit dem Preis von rund 300 Euro.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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