Postinetts Teststrecke
Mit warmem Klang

Früher, da war alles besser – seufzt die Großmutter. Aber muss man deshalb im digitalen Jahrtausend auch zurück zu ihrer Audiotechnik? Für den guten Ton beim iConcerto sorgen zwei klassische EL84-Verstärkerröhren. Doch die Qualität am Lautsprecher ist nie besser als das Signal, das in den Verstärker hineinkommt.
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Der iConcerto von Addon ist zunächst einmal eines: wuchtig. Massives, gebürstetes und verschraubtes Metallgehäuse, gute acht Kilo schwer und mit echten mechanischen Bedienelementen und Lautstärkeregler – eben wie damals. Insgesamt ein technophil angehauchtes Design in klassischer Eleganz. Der iConcerto will frei stehen und atmen, im Regal bekommt er Depressionen.

Für den guten Ton sorgen zwei EL84-Verstärkerröhren, wie sie schon 1953 im legendären Grundig „5050 W Fernsehton“ Großmutters gute Stube beschallten. Sie residieren zusammen mit einer Vorverstärkerröhre (ECC81) in schornsteinartigen Metallzylindern. Das verstellt den Blick auf die geheimnisvoll leuchtenden Glühfäden in den Glaskolben, schützt unvorsichtige Finger aber auch vor der enormen Hitze.

Die Qualität am Lautsprecher ist nie besser als das Signal, das in den Verstärker hineinkommt. Und hier leistet sich Addon einen Patzer: Der iConcerto überlässt die Wandlung der Musikdaten von digital auf analog iPod oder iPhone, so wie einfache Dockingstationen vom Discounter auch. Er bekommt also das gleiche Signal wie der Ohrhörer. In Apples-Musikbox werkelt leider nur ein schlichter „D/A“-Wandler-Chip aus dem Konsumelektronikbereich, der ein paar Cent im Einkauf kostet. Das reicht nicht für High-End-Audio. Schade. Zumal die Apples der jüngeren Generationen die Ausgabe von Digitalsignalen erlauben, die Wandler, wie der Wadia 170i Transport (350 Dollar), präzise in High-End-Analog-Signale für die Heimanlage ummodeln.

Trotzdem: Heraus kommt aus dem iConcerto das, was Addon verspricht und von manchem Audiofan als der „warme Klang“ von Röhrenverstärkern gepriesen wird. Im Grunde ist das eine Art Qualitätsproblem. Anders als Transistorverstärker haben Röhrenverstärker eine „nichtlineare Kennlinie“, wie Fachleute sagen. Vereinfacht gesagt dämpfen sie laute Töne, wodurch das Signal an Dynamik verliert. Je lauter ein Ton ist, desto geringer ist die Verstärkung. Das Ergebnis ist der typische „Röhrenklang“. Ein Transistorverstärker klingt durch seine lineare (gleichmäßig steigende) Verstärkung im Prinzip kälter, eher technischer.

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