Postinetts Teststrecke: Nokia N95
Ein multimediales Multitalent

Das N95 hat das Zeug zum iPhone-Killer. Hier kann sich Steve Jobs mal anschauen, was man heute so mit einem Mobiltelefon machen kann. Der finnische Telefoncomputer kommt mit einer Top-Ausstattung, die Apples Super-Phone schon auf dem Papier alt aussehen lässt.

Zwei Kameras, eine davon mit Autofokus und 5-Megapixel, schnelles WLan nach 802.11g, ein brillanter Farb-Bildschirm mit 16 Mill. Farben, UMTS mit HSDPA-Datenturbo, GPS-Navigation. Da vermisst man schlicht gar nichts.

Wird der Deckel mit dem Bildschirm nach oben geschoben, gibt er eine Neuner-Tastatur frei, nach unten geschoben, wird oben das Bedienfeld für den MP3-Player sichtbar. Die Bildschirmanzeige wechselt von Portrait auf Landkarte. Die Kameralinse ist mechanisch vor Beschädigung geschützt. Sehr gut.

Der Smartphone-Teil des N95 ist Symbian-typisch umfangreich ausgestattet bis hin zu Anzeigemodulen für Microsoft-Office-Dateien. Besitzer von Serie 60-Nokia-Handys fühlen sich sofort wie zuhause. Die Nokia-PC-Suite 6.8 ließ sich unter Windows XP und Vista installieren. Lediglich die Bloggingsoftware Lifeblog 2.1 stürzte auf dem Testrechner mit Vista Ultimate zeitweise ab.

Die Haupt-Kamera lieferte in der strahlenden April-Sonne scharfe und farbtreue Aufnahmen, auch das eingebaute LED-Modul kann sich sehen lassen. Auf kürzere Entfernung waren bei geringer Beleuchtung gute Ergebnisse drin. Der Autofokus braucht allerdings einige Zeit zum Scharfstellen. Die Bilder (oder Videos) können auch direkt auf ein TV-Gerät ausgegeben werden.

Der eingebaute Speicher ist allerdings nur eine Notlösung, wer das N95 kauft, will Multimedia nutzen. Dem (britischen) Testgerät war keine Micro-SD-Karte beigelegt, die deutschen Modelle sollen eine 512 MB-Karte spendiert bekommen. Aber bei einer 5-Megapixelkamera ist selbst das zu wenig. Eine 2-Gigabyte-Karte wäre schon das Minimum.

Negativ fiel der Eingabebereich mit seinen kleinen und rutschigen Tasten auf. Das gilt auch für den zentralen Bedienknopf mit Vierwege-Wippe auf der Frontplatte. Was beim Testgerät aber wirklich störte, war ein unschönes Klappergeräusch des Sliderteils, dessen Führungsschienen offenbar zu viel Spiel haben. Das macht keinen wertigen Eindruck und steht einem Telefon der gehobenen Preisklasse nicht an. Schade. Denn ansonsten hat Nokia ein formschönes und kompaktes Gerät entwickelt.

Allerdings ist der Akku ist einer Dauerbelastung kaum gewachsen. Ein Problem, von dem übrigens auch schon erste iPhone-(Vorserien)-Tester aus den USA berichten. Sind beim N95 alle Optionen bis hin zu Bluetooth und GPS aktiviert und wird dann noch ein wenig Musik gehört oder fotografiert, ist der Stromspender schon am Nachmittag leer. Vieltelefonierer sollten ein anderes Gerät wählen.

Fazit: Das N95 hat große Erwartungen geweckt und kann sie erfüllen. Bleibt zu hoffen, dass der Wackel-Slider des Testgeräts eine Ausnahme ist. Den Pokal für das "Super-Telefon des Jahres 2007" muss sich Apples jetzt erst einmal wieder aus Finnland zurückholen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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