Postinetts Teststrecke
Ostervergnügen: der Nintendo „DSi“

Keinen Urlaub in der Firma bekommen? Die Familie sitzt mit schlechter Laune zu Hause, weil Papa wieder keine Zeit hat? Seit dem 3. April gibt es ein neues Besänftigungstool: Nintendo hat den "DSi" vorgestellt, den Urenkel des Gameboy. Novum bei Nintendo - erstmals ist Spiele-Software vorinstalliert.
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Zunächst zu den Formalien: Schlanker und kleiner ist er geworden, und er hat zwei Kameras integriert - eine außen und eine innen. Die beiden Bildschirme - der untere als Touchscreen - wurden leicht vergrößert. Der "DSi" hat lobenswerterweise einen Standard-SD-Card-Slot bekommen, zur günstigen Speichererweiterung. Schade: Der große alte Gameboy-Slot ist weg, alte Spiele und ein paar neue wie Guitar Hero, die nach dem großen Einschub verlangen, laufen nicht mehr. Andere Titel, wie das bei Erwachsenen sehr beliebte "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging", laufen natürlich problemlos. Neue Spiele sind auch direkt per Download-Shop erhältlich.

Musikdateien im AAC-Format (nicht kopiergeschützte iTunes-Songs etwa) werden direkt mit dem eingebauten Musikplayer abgespielt. Mit der Kamera aufgenommene Fotos landen auf der SD-Card und können ohne Modifikationen auf den PC überspielt werden.

Erstmals vorinstalliert auf einer Nintendo-Konsole: Spiele-Software. Sowohl für die Kameras als auch den Musikplayer gibt es eine Menge Spielereien - vom lustigen Gesichterverzerren per Zeigestift und putzigen Bilderrahmen für die Generation Barbie bis hin zur Stimmen- und Musikmanipulation inklusive einer Karaoke-Funktion. Die filtert überraschend akkurat den Gesang aus einem beliebigen Musikstück heraus. Das hält so manches Kinderzimmer johlend auf Trab.

Deutlich schneller ist jetzt der Opera-Internet-Browser (Version 9.5). Endlich wird am heimischen Hotspot auch WPA-Verschlüsselung akzeptiert. Üble Einschränkungen gibt es jedoch beim Seitenaufruf: Es wird kein Adobe-Flash-Player unterstützt, Videos auf Spiegel.de, Handelsblatt oder Youtube etwa werden nicht angezeigt. Als Eltern kann man mit dieser Einschränkung für die lieben Kleinen manchmal doch ganz gut leben. Trotzdem erstaunlich: Nintendos Erfolgsmodell "Wii" spielt anders als die DSi Flash-Videos anstandslos ab. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann per Kindersicherung den Browser deaktivieren, die Online-Chat-Funktion ("Picto-Chat") oder Käufe im Online-Shop unterbinden. Für den Browser-Betrieb ist ein Zusatzspeicher per SD-Card Pflicht, sonst werden Web-Seiten unvollständig geladen.

Die Batterielaufzeit ist üppig bemessen, einen Osterferien-Tag bekommt man mit einer Akkuladung rum. Leider verwendet Nintendo nicht nur einen eigenen Stromanschluss statt Standard-USB, sondern hat auch noch dafür gesorgt, dass alte Nintendo-Adapter nicht mehr passen. Sehr schlecht - da muss wohl wieder die EU-Kommission ran.

Fazit: Nintendo ist im iPod-Zeitalter angekommen. Aus dem plärrenden Spiele-Keks von vor 20 Jahren, als der Gameboy eingeführt wurde, ist eine schicke Multimedia-Maschine mit Social-Networking-Elementen für rund 170 Euro geworden. Das verlangen die Kiddies allerdings auch, sollen sie durchgearbeitete sonnige Osterferien verzeihen. Was deren Mutter angeht, da wird Mann sich wohl doch noch etwas anderes einfallen lassen müssen, um gutes Wetter zu machen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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