Postinetts Teststrecke: RIM Blackberry 8300
Blackberry kriegt die Curve

Blackberry goes Hollywood. Das "Curve" getaufte 8300 ist das bislang kleinste und leichteste Volltastatur-Gerät der Kanadier. Trotzdem haben die E-Mail-Pusher noch eine Kamera reindrücken können. Und endlich wird eine ernst zu nehmende PC-Software für die Medienverwaltung beigelegt, die sogar als Multimedia-Zentrale für Zuhause fungieren kann. Ist RIM gerüstet für die Zeit nach dem iPhone?

Die Bedienungsoberfläche des Smartphones ist identisch mit dem der aktuellen Modelle, in einzelnen Untermenüs wurde ein wenig aufgeräumt und verschlankt. Ein eingefleischter Blackberry-Nutzer findet sich aber auf Anhieb zurecht.

Das Curve liegt, auch Dank der Gummierung an den Seiten, angenehm in der Hand und das Äußere gibt sich dezent elegant mit sparsamen Chromakzenten. Auf den ersten Blick glaubt man, einen Palm Treo vor sich zu haben.

Trotz aller Freizeittauglichkeit ist das Curve ein reinrassiges Business-Gerät für die heftig umworbene Generation Gameboy. Das ist die nachrückende Generation junger, medienaffiner New-Economy-Manager(-innen), die mit der Spielekonsole statt der Modelleisenbahn aufgewachsen ist. Das sind die lifestyle-orientierten Blackberry-Käufer der Zukunft - wenn sie nicht zum iPhone von Apple wechseln.

Die Fotoausstattung ist guter Durchschnitt. Das 8300 besitzt eine zwei Megapixel-Kamera, die im Test zusammen mit dem integrierten Blitz brauchbare Ergebnisse lieferte. Mit nur zwei Klicks ist ein Foto per E-Mail an die Lieben Zuhause versandt. Leider wird keine Option angeboten, die oft hunderte Kilobyte großen Fotos vor dem Versand kostenfreundlich auf eine niedrigere Auflösung herunterzukomprimieren. Das kann ins Geld gehen, also schon bei der Aufnahme die passende Auflösung wählen.

Der Dateimanager (im Test eine englische Vorabversion, installiert auf Windows Vista) kommt von Roxio, das Programme wie die legendäre Brennsoftware "Toast" für Macintosh rausgebracht hat. Die Blackberry-Version basiert auf dem "Easy Media Creator 9". Mit ihr lässt sich auf dem PC nach Mediadateien suchen, diese ansehen und organisieren, MP3-Musikdateien von CDs erstellen und Playlisten anlegen. Die Dateien lassen sich per Mausklick vom PC auf den Blackberry verschieben. Eine "Automix"-Funktion kreiert zusammen mit der Internet-Musikdatendank Gracenote Playlisten aus zusammen passenden Musikstücken. Eine nette Funktion.

Sehr gelungen sind die Werkzeuge für die Fotobearbeitung. Mit "LiveShare" lassen sich Bilder sehr einfach per Internet-Album mit Freunden teilen.

Interessant für die Zukunft ist der integrierte Multimedia-Server für das Heimnetzwerk. So genannte "uPnP-fähige" (universal Plug n? Play) Geräte wie Fernseher, Hi-Fi-Anlagen, andere PCs im Netz oder Settop-Boxen können dann auf die Daten zugreifen. UPnP-Geräte beginnen sich langsam im Markt durchzusetzen.

Fazit: Blackberry hat gerade noch rechtzeitig die Kurve zur Multimedia-Gesellschaft geschafft. Aber das Ziel zum Funktionsumfang und der Bedienerfreundlichkeit von Apples iTunes oder dem Windows Mediaplayer ist noch weit. Für Blackberry-Nutzer ein großer Fortschritt. Wer aber schon iTunes nutzt, wird es für das kanadische Gespann nicht aufgeben.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%