Postinett's Teststrecke
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Heute gekauft, morgen veraltet. Der Konsumentenhorror der PC-Industrie hat die Unterhaltungselektronik erreicht. Und nirgends ist die digitale Halbwertzeit derzeit kürzer als bei Digitalkameras. Die Produktzyklen der Pixelmonster sind so kurz geworden, dass die Hersteller nicht mehr bis zu ihrer nächsten Hausmesse, der Photokina, abwarten können, um die nächste Produktgeneration vorzustellen.

HB BERLIN. Eine Flut von Neuerscheinungen rollt über die Funkausstellung in Berlin hinweg. Positiv daran: Das Rennen um die meisten Megapixel - vergleichbar der Jagd nach mehr Taktfrequenz beim PC - ist einem Ausstattungwettkampf gewichen.

Auf breiter Front werden neue Generationen von schnelleren und präziseren Bildbearbeitungschips eingesetzt. Sie sollen Qualität und Geschwindigkeit steigern. Die aufgenommenen Bilder werden schneller abgespeichert, die Farbverarbeitung wird besser und die Auslöseverzögerung - ein wirklich leidiges Problem - reduziert.

Mit der neuen EOS 300 D hat diesmal wohl Canon das Glanzstück der Messe abgeliefert. Die Spiegelreflexkamera kommt für aggressive 1099 Euro in den Handel, im Set mit einem speziellen 18-55-mm- Objektiv (vergleichbar mit 29 - 88 mm bei 35- mm-Kameras) für nur 100 Euro mehr. Wer ältere Canon-EF - Objektive zu Hause hat, kann aber auch diese verwenden. Damit bricht die 6-Megapixel-Kamera mit Macht in die Phalanx der hochwertigen Sucherkameras ein.

Die japanischen Fototüftler spendierten dem Neuling unter anderem einen professionellen 7-Punkt-Autofokus, 35 Messfelder für die Belichtungsmessung und den bewährten Digic-Bildprozessor. Der mechanische Verschluss schafft Belichtungszeiten zwischen 1/4 000 und 30 Sekunden. Gespart wurde am Gehäuse: Die große Schwester EOS 10D durfte noch Magnesium tragen, die kleine muss mit Kunststoff vorlieb nehmen.

Das spezielle EF-S-Objektiv ("short back focus") wird nur mit der EOS 300 D verkauft. Der Trick: Da der Fotosensor kleiner ist als ein 35-mm-Film, kann auch der Schwingspiegel kleiner sein. Dadurch rückt die Objektivrückseite näher an den Sensor, und das Objektiv kann kürzer werden.

Kodak bringt die DX6490 Zoom Digital Camera zur IFA mit. Sie hat "nur" 4 Megapixel, aber ein 10fach-Zoom von 38 bis 380 mm. Das Schneider-Variogon- Objektiv leistet diesen Brennweitenumfang bei einer Lichtstärke von 2,8 bis 3,7. Nostalgiefans können über spezielle Filter auch Fotos in Schwarzweiß oder Sepia-Tönen aufnehmen, die Entfärbung am PC entfällt. Solche Features zeigen klar einen Megatrend bei der Digitalfotografie: wann immer möglich ohne Computer. Die Fotos sollen direkt auf den Fernseher oder den Drucker gelangen. Die Kodak kommt für 550 Euro in die Läden.

Teurer kommt Sonys neues Flaggschiff daher: Im High- End-Bereich zeigt der japanische Konzern Muskeln mit der 1150 Euro teuren DSC-F828. Sie protzt mit satten 8 Megapixel, einem 4 Farbfilter CCD für bessere Farbtreue und Zeiss- Zoom (28-200). Ein neuer Bildprozessor sorgt dafür, dass Bilder im TIFF-Format gut 22-mal schneller als beim Vorgänger gespeichert werden. Wichtige Funktionen gibt es auf Tastendruck, ohne Wühlen in umständlichen Menüs. Schön: Neben dem hauseigenen Memory- Stick findet auch ein Microdrive (Compactflash) Anschluss.

Mehr Ausstattung bei sinkendem Preisniveau: Beim 2003er-IFA-Jahrgang der Digitalkameras kann man nur noch eines sagen: Bitte lächeln!

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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