Postinetts Teststrecke
Volle Dröhnung für halbe Bilder

Endlich: Aus den USA kommt mit Verspätung eine Technik für schärfere und flimmerfreie Bilder im Heimkino auch zu uns: "Progressive Scan" für DVD-Abspieler mit dem deutschen PAL-TV-System. Es lohnt sich, beim Kauf darauf zu achten.

DÜSSELDORF. Ein klassisches TV-Bild wird aus Halbbildern aufgebaut. Abwechselnd werden ungerade und gerade Zeilen geschrieben, 50 Halbbilder geben 25 Vollbilder pro Sekunde. Weil unser Auge so träge ist, merken wir den Betrug nicht, aber das Bild flimmert und ist unscharf. Anders im Kino: Wenn Bond- Gespielin Halle Barry in "Die another day" aus den Fluten steigt, dann in 24 knackig scharfen Vollbildern pro Sekunde. Nicht nur der Agent Ihrer Majestät weiß das zu schätzen.

Auch bei PC-Monitoren ist das Vollbild - alle Bildzeilen werden in einem Durchgang geschrieben - flimmerfreier Alltag. Viele Kino-DVD sind im Vollbildmodus aufgenommen, werden fürs TV aber wieder in Halbbilder zurückgewandelt.

Bei Progressive Scan werden die Vollbildern unverfälscht auf den Bildschirm geworfen. Das Bild wird schärfer und heller, flimmert weniger und die Zeilenstruktur wird schwächer.

Der DVP-NS999ES von Sony ist einer der ersten Vertreter der Progressiven Fraktion und frisch für einen ersten Test beim Weekend Journal eingetroffen. Der aufwendig verarbeitete DVD-Spieler, der auch Super-Audio-CD wiedergeben kann, ist voll gestopft mit Digitaltechnik, um Bild- und Tonwiedergabe zu optimieren. Das muss auch so sein, denn mit gut 1 600 Euro liegt er hart an der Schmerzgrenze für einen Abspieler.

Zur Belohnung gibt es vermindertes Bildrauschen, verbesserte Schwarzwerte bei dunklen Bildpassagen und zahlreiche Komfortfunktionen. Selbst im Videoformat (also mit Halbbildern, anders als im Kinoformat) bespielte DVD werden in "Progressive Modus" umgerechnet. Im Bild- und Hörtest konnte der Neuling überzeugen.

Wichtig: Das angeschlossene Display muss "Progressive Scan" explizit unterstützen. Sony selber listet gerade mal fünf Geräte seiner preislichen TV-Oberliga - LCD und Plasma - und zwei Projektoren auf. Also: Vor dem Kauf immer die Kompatibilität von Abspieler und Display prüfen. Sonst drohen böse Überraschungen. Vorsicht: Ältere DVD-Spieler mit "Progressive Scan" beherrschen oft nur NTSC-Modus, also US-Fernsehnorm.

Eine Alternative zu den teuren TV-Flachmännern bietet Panasonic. Für die Röhren-Geräte TX-36PD30D und TX-32PD30D (siehe Foto) wurden die Techniker zum hemmungslosen Schaulaufen aufgerufen. Hier ist alles drin, was ein Bild besser machen kann. Neu sind eine Verdoppelung der Bildpunkte pro Zeile auf 2 300 Pixel und eine Erhöhung der Zeilenzahl auf 833 (statt 625 beim alten Pal-TV).

So wird der Heimkinoabend zum Erlebnis. Das Top-Modell mit 86 cm Bilddiagonale ist mit 3 199 Euro deutlich günstiger als vergleichbare Plasma-Schirme. Der 76er-Schirm soll rund 2 200 Euro kosten. Eine Alternative, wenn man auf den Platzvorteil eines Flachdisplays verzichten kann. Halle Barry kann kommen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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