Postinett's Teststrecke
Zicken mit Zen

Musik hören, Videos oder Fotos schauen und per Internet mit Freunden chatten? Der Creative Zen X-Fi nimmt den Mund ganz schön voll.

Creative hat als PC-Audiospezialist einen Ruf wie Donnerhall. Jeder kennt noch die "Soundblaster"-Karten, die Musik auf dem PC erst populär gemacht haben. Reicht das, um Apple das Wasser abzugraben?

Der Zen X-Fi W-Lan gehört optisch nicht gerade zu den extravagantesten MP3-Spielern, Kunststoffgehäuse und Display machen keinen wirklich hochwertigen Eindruck. Allerdings: Zumindest im Testzeitraum knarzte und knackte nichts.

Der X-Fi wird komplett über Tasten gesteuert, die sehr gewöhnungsbedürftig sind. Die runden Tasten des Ziffernblocks sind unbeleuchtet und unbeschriftet, schwarz auf schwarzem Grund. Abends oder in dunklen Räumen ist das kein Spaß. Aber da sieht man dafür dann das wirklich brillante Display besser, dass im Sonnenlicht dagegen kaum überzeugt. Die Benutzerführung an sich ist prima. Einfache Menüs, übersichtlich, grafisch schön aufgebaut. Das macht Spaß. Das Testmodell kam mit 16 GB internem Speicher und zusätzlichem SD-Card-Slot. Das reicht satt.

Mit dem Mediaplayer 11 von Microsoft und Micro-USB funktionierte die Synchronisation von Musik und Fotos angenehm problemlos. Bei Web-Videos gibt es oft die mittlerweile üblichen Konvertierungsprobleme, die einem auch bei anderen Playern immer wieder die Laune verderben, Apples iPod und iPhone ausdrücklich eingeschlossen.

Der Klang des X-Fi war mit und ohne X-Fi-Verstärkung (das ist eine Creative-eigene Technologie, um den Ton zu verbessern) untadelig. Das nicht zuletzt, weil dem X-Fi ein sehr hochwertiger In-Ohr-Kopfhörer beiliegt. Bässe, Höhen, Mitteltöne, alles sauber. Hier spielt der Soundexperte auf Augenhöhe mit Apple & Co. Die X-Fi-Klangverstärkung an sich ist Geschmackssache. Von vier befragten Mit-Testern empfanden sie drei als sehr angenehm. Aber das muss letztlich jeder selber ausprobieren.

Die mitgelieferte Software heißt Creative Centrale und dient als Media-Server. Sie stürzte unter XP auf einem Testrechner (Shuttle XPC SN95G5 mit nVIDIA nForce 3 Ultra-Chipsatz) gnadenlos ab, auf einem andern (Sony Vaio Laptop) funktionierte sie einwandfrei. Bis Testende war nicht herauszubekommen, warum der ansonsten unauffällige Shuttle hier bockte. Läuft die Software, importiert sie Musik, Fotos und Videos. Die Verteilung der Medien per W-Lan als Stream im Haus klappte ebenfalls sehr gut. Dann muss man große Videos nicht von der Festplatte in den Zen laden, sondern schaut sie sich online an - und gut ist.

Für die Nutzung des Chat-Messengers ist eine Registrierung auf der Creative Webseite nötig. Dann kann man auf dem Sofa sitzen und per W-Lan mit Freunden auf der Welt schnacken. Zumindest theoretisch. Praktisch gelang es bis Redaktionsschluss trotz tatkräftiger Mithilfe von Creative nicht, Yahoo Messenger oder MSN als Chatdienst anzuwählen. Außerdem unterbricht der Player die Musikwiedergabe im Online-Modus. Also nichts mit gleichzeitig chillen und chatten ohne PC.

Fazit: Knappe 170 Euro kostet die 16 GB-Version des X-Fi W-Lan. Das ist deutlich günstiger als ein iPod touch mit gleichem Speichervolumen. Allerdings bietet Apple das mit Abstand ausgefeiltere und vor allem anwenderfreundlichere Gesamtpaket. Vom Musikgenuss her muss sich der Zen dagegen nicht verstecken. Aber bei der Software gibt es noch zu viele Ungereimtheiten, die den Spaß vergällen.

Alternative: Der Creative Zen X-Fi mit 8 GB Speicher ohne W-Lan für 139 Euro. Ganz auf Musikperformance getrimmt, stimmt hier das Preis-Leistungsverhältnis deutlich besser. Was das Problem mit dem Chat-Programm war, reichen wir in der Teststrecke auf Handelsblatt.com nach, so bald es gelöst ist.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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