Preisverfall bei Handy-Telefonaten
Mobilfunk-Branche hofft auf Datendienste

Die Manager der deutschen Mobilfunk-Branche haben derzeit wenig Spaß an ihrem Geschäft: Mit dem Preisverfall für Handy-Telefonate sind die Umsätze von T-Mobile, Vodafone D2 und O2 seit Monaten auf Talfahrt. Einen Rettungsanker hoffen die Unternehmen nun mit dem mobilen Internet gefunden zu haben - ein höherer Datenumsatz soll die Industrie auf den Wachstumspfad zurückführen.

dpa BONN. Bislang surfen vor allem Geschäftskunden mobil im Internet und rufen dort ihre E-Mails ab. Viele Privatkunden lassen sich von den hohen Preisen abschrecken. Doch mit den Preisnachlässen der vergangenen Monate ist auch das Interesse der Verbraucher geweckt. Laut einer Umfrage von Forsa ist inzwischen jeder Dritte Handy-Nutzer am mobilen Internet interessiert; jeder Fünfte werde bis zum Ende des Jahrzehnts Handy-Internetdienste auch tatsächlich nutzen. Die Mobilfunkfirmen spüren die wachsende Nachfrage bereits in ihren Bilanzen: Innerhalb eines Jahres verdoppelte Vodafone D2 den Datenanteil am Gesamtumsatz auf zehn Prozent. Wettbewerber E-Plus änderte sogar seine Strategie und investiert nun stärker in den Ausbau seines Datennetzes. Zuvor hatte Vorstandschef Thorsten Dirks ausschließlich auf Sprach-Telefonie gesetzt.

Marktführer T-Mobile setzt beim Ausbau seines Datengeschäfts auf das Apple-Handy iphone, dass am Freitag in den Handel kommt. Die Erfahrungen in den USA lassen die Telekom-Tochter hoffen: Der Telekomkonzern AT & T, der bislang als einziges Unternehmen das Netz für das iphone stellt, verzeichnet bei den Apple-Kunden einen deutlichen Umsatzschub bei Datendiensten.

„Das iphone ist eine optimale Marketingmaschine“, sagt Martin Gutberlet von der Marktforschungsgesellschaft Gartner. Nach seiner Einschätzung könnte die Rechnung von T-Mobile aufgehen, auch wenn das iphone nur den im Vergleich zu UMTS langsameren Standard Edge nutzt. „Datendienste sind der Umsatztreiber für die Mobilfunkanbieter. Sprache fällt oder stagniert im besten Fall.“

Die Telekom landete in dieser Woche nach dem iphone-Zuschlag einen weiteren Coup: Die Bonner schlossen mit dem amerikanischen Internetkonzern Google eine Allianz, um ein kostengünstiges Handy- Betriebssystem zu entwickeln. Die Software wird in internetfähigen Handys - sogenannten Smartphones - eingesetzt. Mit der Allianz will sich die Telekom ein Stück unabhängiger von Nokia, dem Blackberry- Hersteller RIM und Microsoft machen, die mit ihrer Software den Markt für mobile Betriebssysteme dominieren.

Telekom-Chef René Obermann sieht die Google-Software namens Android als gute Möglichkeit, das mobile Internet zu einem Massenmarkt zu entwickeln. Sein Unternehmen will im kommenden Jahr in Europa und den USA Dienste auf der Google-Plattform einführen. Für die Kunden wird der Kauf eines Smartphones günstiger werden, allerdings muss er sich an Werbung auf seinem Mobiltelefon gewöhnen. Denn Google will sich die Kosten für die Entwicklung über mobile Anzeigen finanzieren.

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