Pro und Contra
Google-Handy: Renner oder Flop?

Falls Google tatsächlich mit einem eigenen Gerät in den Mobilfunkmarkt ein- und damit gegen Apples iPhone antritt, dann werden die guten Freunde zu erbitterten Feinden werden. Axel Postinett meint, dass Google einen solchen Kampf gewinnen würde. Thomas Knüwer hält dagegen.

Axel Postinett: Wertvollste Marke

Apple und Google - die ideale Partnerschaft. Zumindest auf den ersten Blick und wenn man sich das Apple-Telefon „iPhone“ anschaut. Google, wo immer man auch hinsieht. Google-Suche, Google Maps, Youtube, alles nahtlos mit dem Telefon verschmolzen. Aber falls Google wirklich in den Mobilfunkmarkt eintritt – und vieles deutet darauf hin –, dann werden die guten Freunde zu erbitterten Feinden werden. Und Google wird den Kampf gewinnen, wenn die beiden größten Egos der New Economy aufeinander treffen werden. Warum?

Erstens: Google überlegt, im kommenden Jahr ein mindestens 4,6 Mrd. Dollar teures Gebot für eine landesweite, mobile Internetfrequenz („Wimax“) in den USA abzugeben. Wenn ein paar politische Grundvoraussetzungen erfüllt sind: Google hat verlangt, dass der freie Zugang für alle Hard- und Softwareanbieter gesichert werden soll („Netzneutralität“) und hat sogar einen Teilsieg errungen. Das ist nicht nur ein Schlag gegen AT&T, Vodafone und Co. Das zielt auch massiv gegen Apple.

Steve Jobs setzt für seine Musik- und Mobiltelefonprodukte auf größtmögliche Kontrolle über Inhalte, Programme und Kunden. Das widerspricht diametral den Grundsätzen des Open-Source-Verfechters Google mit offenen Schnittstellen und möglichst vielen Partnerschaften. Das ist notwendig, um die beste Reichweite für die Werbekunden zu erzielen. Wird Google tatsächlich diese Frequenz ersteigern, ist der Weg zum Telefonprovider Google und einem eigenen Telefon vorgezeichnet.

Kommt (nur) ein Google-Betriebssystem (mit integrierten Google-Diensten) oder eine Google-Software für Telefone – ähnlich der Google-Toolbar für Internet-Browser auf dem PC –, wird vermutlich jeder Hardwareanbieter es einbauen dürfen, der will. Hauptsache, Googles eigener Programmcode für Werbe-Widgets und Dienstleistungen läuft problemlos. Vor allem kleinere Telefonhersteller, die nicht in der Lage sind, wie Apple, Nokia oder Microsoft zig Millionen von Dollar in neue Betriebssysteme zu investieren, könnten hier beherzt zugreifen. Das wird auch das iPhone treffen.

Zweitens: Google ist bereits die wertvollere Marke. Schaut man sich die Rangliste von Interbrand der Markenwerte für 2006 an, findet sich Neuling Google schon auf Platz 24. Die alteingesessene Kultfirma Apple ist auf 39. Und beide liegen meilenweit hinter Nokia (Rang sechs) und Microsoft (Platz zwei). Google hat seinen Platz bereits erreicht, obwohl noch niemand ein Google-Produkt mit sich herumtragen kann. Das wird sich ändern, wenn die selbst ernannte Good-Boy-Company („Tue nichts Böses“) mit einem Telefon gegen die immer noch als elitär empfundene Snobisten-Firma Apple antritt. Und ein Google-Telefon, wer immer es bauen wird, wird auch einen Musikteil haben, der Apples iPod angreifen wird.

Drittens: Apple hat keine gute Historie in Sachen Partnerschaft. Beispiel: HP. Der Computerbauer hatte einen iPod unter eigenem Logo herausgebracht. Irgendwann wurde das still und leise beendet, weil kein Mensch die Fälschung kauft, wenn er das Original bekommen kann. Was war mit dem iTunes-Handy „Rokr“ von Motorola? Technisch kastriert, weil Apple seine iPod-Verkäufe nicht beschädigen wollte. Und das iPhone? Apple bekommt die Umsatzanteile von den Mobilfunkvertriebspartnern, wenn jemand telefoniert oder auf Google Maps eine Adresse sucht. Google profitiert wie immer nur indirekt über Werbung oder größere Reichweiten – und immer in der Furcht, doch mal gegen jemand anderes ausgetauscht zu werden. Das kann nicht das Ziel sein.

Viertens: Auch Apples Geschäft wandert weiter ins Internet ab – Apple bietet wie Microsoft zunehmend kostenpflichtige Onlineservices an. Und werbefinanzierte Google-Dienste sind da der natürliche Konkurrent für beide.

Zuletzt: Apple limitiert sich selbst durch seine exklusive Vertriebsstrategie. Das steigert zwar zweifelsfrei die Margen, aber er bremst auch die schnelle Verbreitung im Markt. Hier ist noch die entscheidende Unbekannte für das Google-Telefon. Geht Google eingetretene Pfade oder findet das Enfant terrible der Web-Szene einen neuen Königsweg? Beim Börsengang in Eigenregie ist schon einmal spektakulär gelungen, die komplette Bankenlandschaft auszuhebeln. Falls so etwas auch im Mobilfunkmarkt gelingt, wäre Google kaum noch zu stoppen. Im Gegensatz zum iPhone.

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