Produktpiraterie auf der Ifa
Kampfplatz Funkausstellung

Szenen wie aus einem Kriegsfilm: Schwer bewaffnete Beamte der Zollfahndung räumen auf der Berliner Messe 69 Stände leer. Sie suchen Produkte, für die keine Lizenzgebühren gezahlt wurden. Zurück bleiben leere Vitrinen, verzweifelte Händler und die Frage, wie geht es jetzt weiter auf der Ifa?

Es ist Samstag, 9:30 Uhr, ein sonniger Morgen. Die Messehallen rund um den Berliner Funkturm rüsten sich für den Besucheransturm. Es ist der zweite Tag der Funkausstellung. Gerade das Wochenende wird traditionell viele Schaulustige anziehen. Die Aussteller rücken noch einmal die Produkte zurecht, wienern die Glasscheiben der Vitrinen und drapieren Plätzchen und Werbegeschenke.

Plötzlich reißen ungebetene Gäste die Halle neun aus dem Morgenschlaf. Mit entschlossenem Schritt strebt eine Gruppe von rund 20, mit großkalibrigen Pistolen bewaffneten Männern und Frauen in den Händlerbereich vor. Auf dem Rücken der grünen Einsatzwesten steht in großen Lettern "Zoll". Vor dem winzigen Stand der Firma "Sweex" bleibt die Gruppe stehen. Ein Beamter zückt einen Gerichtsbeschluss des Amtsgerichts Tiergarten. Sie werden jetzt einige der Produkte mitnehmen, eröffnet er einer sichtlich eingeschüchterten Mitarbeiterin.

Es gehe um Geräte mit MP3-Technologie, erklärt einer der Zollbeamten, und angeblich nicht bezahlte Lizenzgebühren. Hilflos blättert die junge Frau in Unterlagen, sucht eine Erklärung für all das, was ihr da gerade widerfährt An den umliegenden Ständen wird getuschelt, herüber- oder weggeschaut. Das Kamerateam eines privaten TV-Senders hält der verängstigten Mitarbeiterin einen Mikrofongalgen direkt vors Gesicht, der Kamerascheinwerfer zerrt sie gnadenlos in die Öffentlichkeit.

Es ist Tag zwei der großen Operation "MP3". 40 Messestände hat die Zollfahndung Berlin Brandenburg schon am Freitag abgegrast, 29 weitere liegen noch vor den Beamten. Die Zollfahndung ist sozusagen die schnelle Einsatztruppe der Zöllner, ihre Kripo. "Freitag Abend haben wir vier LKW randvoll mit Geräten abtransportiert", sagt Pressesprecher Norbert Scheidhauer. Insgesamt 200 Beamte waren im Einsatz.
"Wir beabeiten hier Anzeigen, die bis zum 26. August eingegangen sind", erklärt der Zoll-Sprecher. Es seien Fälle, die nach Meinung der Justiz so schwerwiegend sind, dass ein Eingreifen gerechtfertigt ist. "Wir arbeiten hier nicht für eine einzelne Firma", so Scheidhauer. Aber die meisten Anzeigen kämen von dem Lizenzvergeber Sisvel SpA.

Die italienische Gesellschaft habe die Funkausstellung ausgewählt, um die bislang größte Aktion gegen Unternehmen zu fahren, die angeblich nicht für Lizenzen gezahlt haben. Aber es gebe auch Produktpiraterie. Zahlreiche Sisvel-Mitarbeiter mischen sich unter die Besucher und gehen von Stand zu Stand, um mögliche Opfer ausfindig zu machen. Ihr Basislager haben sie in Halle 2.2 aufgeschlagen, auf dem Stand der Sisvel.

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