Psychisches Phänomen
Hilfe, ich bin eins mit meinem Blackberry

Die Informationstechnologie hat zunehmend Einfluss auf die Psyche der Menschen. Insbesondere die massive Handy-Verbreitung in unserer westlichen Zivilisation treibt dabei merkwürdige Blüten. Analog zum Phantomschmerz nach dem Verlust eines Körperteils sprechen Experten in den USA bereits von „Phantomvibrationen“.

HB NEW YORK. Immer mehr Mobilfunk-Nutzer wundern sich, wenn sie die typische Vibration ihres Handys am Oberschenkel spüren, obwohl sie das Telefon gar nicht in der Hosentasche dabei haben. Andere spüren das typische Brummen auch dann, wenn das Handy gar nicht klingelt.

Jonathan Zaback spürte dieses Phänomen zum ersten Mal, als er Freunden seinen neuen „Blackberry Curve“ zeigte. „Als sie es anschauten, spürte ich diese Vibration an meiner Seite“, berichtete der Manager der PR-Agentur Burson-Marsteller. „Ich griff hin, um es in die Hand zu nehmen, als mir bewusst wurde, dass ich den Blackberry ja gar nicht mehr bei mir hatte.“ Zaback gehört zu den Hardcore-Nutzern des Smartphones. Er hat seinen Blackberry neben sich am Bett, schaut nach E-Mails, wenn er nachts aufwacht, und lässt sich morgens von dem Gerät wecken.

Die „Phantomvibrationen“ nimmt Zaback nicht weiter Ernst. „Solange das nicht bedeutet, dass mir ein Tumor am Bein wächst, ist das in Ordnung“, sagt der Smartphone-Nutzer. „Einige Leute haben eine biologische Uhr. Da habe ich ja vielleicht einen biologischen Blackberry.“

Ähnliche Selbstbeobachtungen hat Dawn Mena gemacht. „Selbst wenn ich mal keinen Blackberry dabei habe, ertappe ich mich dabei, wie ich im Sitzen meine Haltung verändere, um mich daran anzupassen“, sagte die Technologieberaterin in der kalifornischen Ortschaft Thousand Oaks. „Ich lache über mich selbst, wenn ich danach greife, um es hervorzuholen (ich könnte schwören, dass es da ist), und dann feststelle, dass ich es gar nicht dabei habe.“

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