Qualcomm im Kreuzfeuer
Streit um Handychip spitzt sich zu

Für den Mobilfunk-Zulieferer Qualcomm wird die Luft allmählich dünn: Nach Konkurrent Broadcom schießt sich nun auch Hersteller Nokia auf das Unternehmen ein. Der Vorwurf der Patenverletzung führte nun sogar zu einem Einfuhrstopp von Seiten der USA. Leidtragende sind nicht zuletzt die Mitbewerber von Nokia.

FRANKFURT. Die Vorwürfe gegen den Handychip-Hersteller Qualcomm weiten sich aus. Nach Broadcom hat nun auch Nokia eine Klage gegen den Chiplieferanten angekündigt. Zugleich heizt der weitreichende Fall die Debatte um die Gefahren von Patenten auf Produkte und vor allem Anwendungen der Informationstechnologie an. „Das Qualcomm-Beispiel zeigt, dass angebliche Patent-Verletzungen für Unternehmen höchst bedrohlich sein und im schlimmsten Fall große Teile des Geschäfts lahm legen können“, sagte Patentrechtler Thorsten Vormann, Partner der internationalen Anwaltssozietät Clifford Chance.

Die US-Handelsaufsicht hatte Ende vergangener Woche ein Importverbot für Mobilfunkgeräte erlassen, die mit dem umstrittenen Qualcomm-Chip ausgestattet sind. Es ist in dieser Form eine in den USA bislang nur äußerst selten ausgesprochene Maßnahme der Aufsicht. Hintergrund ist eine Klage von Broadcom. Er wirft dem Rivalen Qualcomm vor, bei der Produktion des Halbleiters Patente verletzt zu haben. Dabei bekam Broadcom gestern Unterstützung vom Mobilfunk-Konzern Nokia. Auch die Finnen werfen Qualcomm vor, beim wichtigen Internet-Protokoll und bestimmten Anwendungen zum mobilen Herunterladen von Daten gegen Patente verstoßen zu haben. Von dem Einfuhrstopp sind neben Qualcomm auch zahlreiche Handy-Produzenten wie Samsung oder Motorola betroffen. Die Qualcomm-Chip sollen vor allem in künftigen Mobilfunkgeräten für das leistungsfähigere Mobilfunknetz der dritten Generation zum Einsatz kommen. Sollte der Streit andauern, könnten einige Anbieter nicht rechtzeitig mit dem Verkauf in dem hart umkämpften Markt starten.

Die betroffenen Unternehmen können nur hoffen, dass der Patentstreit rechtzeitig beigelegt werden kann. Vor allem der sowieso schon angeschlagene US-Konzern Motorola dürfte bangen, hängt seine Zukunft doch noch stärker von neuen Produkten ab als die der meisten Rivalen. Ein Wechsel zu einem anderen Halbleiter-Anbieter ist technisch nicht so einfach zu realisieren. Auch der Entwurf (Design) eines eigenen Chips würde viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Dennoch beurteilen Analysten die Folgen unterschiedlich. So fürchten die Experten der Bank of America kurzfristig kaum Auswirkungen, da die bereits auf dem Markt befindlichen Geräte vom Importverbot nicht betroffen seien. Dagegen sieht Per Lindtorp von ABN Amro in dem Streit langfristig einen Vorteil für Nokia, da zum Beispiel Netzbetreiber künftig eher auf Handys von Nokia setzen könnten, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

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