Regulierung der Roaming-Gebühren
Niedrigere Handytarife helfen Firmen

Firmen in den USA oder China zahlen keine Roaming-Gebühren für Gespräche innerhalb ihres Wirtschaftsraumes – ein Wettbewerbsnachteil für europäische Firmen. Die EU-Kommission will die Unternehmen nun von der Last hoher Mobilfunk-Rechnungen befreien. Von der geplanten Regulierung der Roaming-Tarife profitieren vor allem Geschäftskunden.

DÜSSELDORF. Geschäftskunden machen Branchenangaben zufolge zwar nur ein Fünftel der Nutzer aus, die im Ausland telefonieren. Dafür sind sie aber für 70 bis 80 Prozent der Roaming-Umsätze verantwortlich, die Mobilfunker jährlich kassieren. „Es war bei der Roaming-Regulierung von Anfang an das Ziel der Europäischen Kommission, die Unternehmen von der Last hoher Mobilfunk-Rechnungen zu befreien“, sagt Martin Selmayr, Sprecher der zuständigen EU-Kommissarin Viviane Reding. Die europäischen Firmen hätten dadurch einen Wettbewerbsnachteil im Vergleich mit ihren Konkurrenten in den USA oder China, die eben keine Roaming-Gebühren für Gespräche innerhalb ihres Wirtschaftsraumes zahlen müssten.

Insgesamt beziffert Brüssel den europäischen Roaming-Umsatz auf 8,5 Mrd. Euro jährlich. Durch die Regulierung würden fünf Mrd. davon wegfallen – falls die Verbraucher ihr Telefon-Verhalten nicht änderten. Experten rechnen jedoch damit, dass Nutzer bei sinkenden Preisen mehr im Ausland telefonieren. Der Mobilfunkverband GSM Association geht deshalb davon aus, dass der Umsatz langfristig durch die Regulierung nur um eine Mrd. Euro pro Jahr schmilzt.

Die Auswirkungen für die Netzbetreiber sind unterschiedlich: Der deutsche Mobilfunk-Marktführer T-Mobile gehört zu den Anbietern, die von staatlich verordneten Roaming-Tarifen profitieren: In Deutschland gibt es nicht nur zahlreiche Unternehmen, deren Mitarbeiter im Ausland unterwegs sind; die Deutschen genießen auch den Ruf der Reiseweltmeister, und nutzen ihr Handy eben häufig auch außerhalb der Landesgrenzen. T-Mobile muss für diese Kunden Minuten bei den ausländischen Netzbetreibern kaufen – kann aber nur weniger Minuten vom eigenen Netz an ausländische Betreiber verkaufen. Die Telekom-Tochter gehört auf der Großhandelsebene deshalb zu den Nettozahlern.

Anders sieht das für Anbieter in Reiseländern wie Spanien oder Österreich aus. Dort machen Roaming-Umsätze in der Urlaubszeit einen Großteil der Einnahmen aus. Die Unternehmen hüten die Angaben darüber zwar wie Staatsgeheimnisse. In der Branche ist jedoch zu hören, dass Telefónica Moviles in Spanien in den Sommermonaten etwa die Hälfte seiner Umsätze mit Roaming erzielt. Über das Jahr verteilt sollen es gut 15 Prozent des Erlöses und damit 1,4 Mrd. Euro sein.

Vodafone kann dagegen nach Meinung von Experten eine Regulierung gut verkraften: Die Briten sind in 14 Ländern Europas mit eigenen Netzen vertreten und müssen dort keine Minuten bei ausländischen Betreibern einkaufen. Das Unternehmen war deshalb einer der ersten Anbieter, der spezielle Auslands-Tarife angeboten hat. So zahlen Vodafone-Nutzer ab April pro Anruf einmalig 75 Cent und telefonieren dann zum Inlandstarif weiter. Bei Gesprächen, die länger als eine Minute dauern, ist das wesentlich günstiger als der regulierte Tarif, der nach jetzigen Planungen bei 50 Cent plus Mehrwertsteuer liegen soll.

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