RIM
Elektronisches Postfach für unterwegs

Der „Inter@ctive Pager“ war ein Daten-Klotz, abgrundtief hässlich – und der Urvater des „Blackberry“. Heute, gut elf Jahre später, ist Blackberry das Synonym für mobile E-Mail. Über elf Millionen Nutzer rufen ihre Nachrichten über das Gerät ab. Was war geschehen?

DÜSSELDORF. Er war wirklich abgrundtief hässlich. Der „Inter@ctive Pager“ glich einer aufklappbaren Puderdose, eine Tastatur ersetzte den Puderquast und der winzige grobkörnige Monochrom-Bildschirm den Spiegel. Aber die winzige kanadische Firma RIM mit gerade mal 4,3 Mill. US-Dollar Jahresumsatz war bereit, auf dieses Ding ihre Zukunft zu verwetten. Der Daten-Klotz empfing kurze Textnachrichten, auf die man direkt von unterwegs aus antworten konnte. Der Urvater des „Blackberry“ war geboren. Heute, gut elf Jahre später ist Blackberry das Synonym für mobile E-Mail. Und die Firma aus der kanadischen Provinz setzte im Geschäftsjahr 2007 rund 3 Mrd. Dollar um. Über elf Millionen Nutzer rufen ihre E-Mails über Blackberry ab.

Was war geschehen? Mike Lazarides, der RIM 1984 mitgegründet hatte, und sein CO-CEO Jim Balsille hatten beschlossen, eine sterbende Technik zu neuem Leben zu erwecken: den „Pager“. Das waren kleine Geräte, auf die man ein paar Nachrichtencodes verschicken konnte. Eine Antwort war aber nicht möglich, für einen Rückruf ging man in die nächste Telefonzelle. Das Geschäft mit Pagern brach unter dem Ansturm der Mobiltelefone Mitte der 90er praktisch zusammen.

Die Kanadier aber machten ihre Pager interaktiv – sie konnten kleine Mitteilungen drahtlos empfangen und Antworten zurücksenden. Ende der 90er waren noch die wilden Jahre der Datentechnik. Das Internet hatte seinen Siegeszug erst begonnen und E-Mails waren auf dem PC gefesselt. Lazarides und Balsille waren sich aber einig, dass der drahtlose Informationsaustausch per E-Mail in der Unternehmenskommunikation den per Telefon überholen würden. Ein perfektes Infosystem für den Manager auf Reisen sollte her.

RIM setzte dabei auf die Ericsson-Entwicklung „Mobitex“, ein System für die sicherere Datenübertragung, das heute noch wegen seiner Robustheit sehr beliebt ist. Das Unternehmen kombinierte diese Technik mit einem vollwertigen Zwei-Wegesystem und unterbot die Konkurrenz bei den Preisen. 1998 gelang damit der Durchbruch. Der Telekomkonzen Bell South Wireless orderte für 90 Mill. Dollar Geräte und der Technologiekonzern IBM alleine bestellte die neuen Pager für zehn Millionen Dollar für seine Top-Manager.

Doch noch war ein Problem ungelöst: Die Firmen-E-Mail lag weiter im Büro, wenn der Manager im Flugzeug saß. RIM löste das Problem 1999 mit dem RIM 850 und dem System, das wir heute unter dem Namen Blackberry kennen. Jetzt begann der Siegeszug. Das Prinzip: Der sogenannte „Blackberry Enterprise Server“ wird auf das E-Mailsystem des Unternehmens aufgesetzt und übernimmt alle Funktionen vom E-Mail-Versand über die Datenkompression bis zur Umgestaltung von Dokumenten. Der Blackberry-Server schiebt automatisch („push“) kleine Häppchen der neuen E-Mail – genau gesagt fünf mal zwei Kilobyte pro E-Mail – auf das Gerät. Das ist der zweite große Unterschied zu E-Mail-Lösungen auf Mobiltelefonen: Da muss der Nutzer eine Verbindung zu seinem Postfach aufbauen und die Mails abrufen („pull“). Blackberry-Mails dagegen sind sofort verfügbar.

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