Roaming-Gebühren vor dem Aus
EU will Mobilfunk-Schranken abbauen

Die EU-Kommission sagt hohen Gebühren für Mobilfunk-Gespräche im Ausland den Kampf an. Bereits zum Sommerurlaub 2007 soll ein Handy-Telefonat am ausländischen Ferienort genauso viel kosten wie zu Hause. Die Mobilfunk-Branche freut das kaum, Verbraucherschützer bewerten den Vorstoß hingegen als "absolut überfällig".

HB BRÜSSEL/BERLIN. Die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding will die Mobilfunkbetreiber per Verordnung zu Preissenkungen bei den zum Teil sehr hohen Roaming-Gebühren zwingen. "Ein Mobilfunknutzer sollte bei Reisen ins europäische Ausland nicht automatisch höhere Tarife zahlen müssen", sagte Reding am Dienstag in Brüssel. "Alle ungerechtfertigten Gebühren" müssten abgeschafft werden.

Deutschlands größter Mobilfunkanbieter, T-Mobile, zeigte sich kompromissbereit. Sprecher Christian Schwolow betonte: "Auch wir sind der Meinung, dass die Roaming-Preise sinken müssen." Die hohen Kosten für Mobilfunkgespräche im Ausland trügen wesentlich zum "Teuerimage" des Mobilfunks bei. Sinkende Kosten könnten zu einer höheren Nutzung führen. Allerdings wähle Reding den falschen Weg. "Wir glauben nicht, dass es hilft, den Markt komplett durchzuregulieren", sagte Schwolow. Das Problem müsse über den Wettbewerb geregelt werden.

Vorstoß "absolut überfällig"

Verbraucherschützer nannten die Brüsseler Pläne indes "absolut überfällig". Patrick von Braunmühl vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sagte der Nachrichtenagentur AP: "Damit soll ein erheblicher Missstand beseitigt werden, der schon seit geraumer Zeit andauert." Es sei aber bedauerlich, dass die Änderungen wohl erst 2007 und nicht schon in diesem Sommer griffen.

Reding bemängelt schon seit langem, dass die Gebühren für im EU-Ausland geführte Gespräche erheblich variieren. Deutsche zahlen etwa für ein Handy-Gespräch in Großbritannien oder Frankreich weit mehr als in Italien oder Spanien. "Den Grund dafür kennt keiner", sagte Reding. Für den Verbraucher nicht nachvollziehbar sei auch, warum er bezahlen müsse, wenn er im EU-Ausland angerufen werde. Eine Gebühr falle auch dann an, wenn das Handy ausgeschaltet und die Mailbox den Anruf beantworte. Deshalb wolle sie "bei Endkunden die Gebühren für eingehende Anrufe ganz abschaffen", sagte die Kommissarin.

Zudem sollten einem Mobilfunknutzer im EU-Ausland "stets nur die in seinem Wohnsitzland geltenden Gebühren in Rechnung gestellt" werden, heißt es in einer Erklärung der EU-Kommission. Dass die Konzerne sinkende Einnahmen durch höhere Gebühren im Inland wieder an die Verbraucher abgeben könnten, schloss Reding nicht aus. Erfahrungen zeigten aber, dass sich solche Drohungen meist nicht bewahrheiteten.

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